Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst

Bauhaus NRW Forum

Dominique Teufen: Selfiepoint | Foto: Katja Illner

Mein persönliches Bauhaus-Jubiläumsjahr ist eigentlich schon gelaufen. Was könnte 2019 Besseres bringen, als eine Bemerkung anlässlich der Untersagung eines Auftritts der Band Feine Sahne Fischfilet durch das Bauhaus Dessau, wo das Konzert im Oktober 2018 stattfinden sollte. Ein sehr besorgter Facebook-User kommentierte den Vorgang nämlich wie folgt: „Bei einer Band vom rechten Rand wäre das Geschrei nach einem Verbot groß gewesen, eine Band von linksaußen ist besser? Daß ein Baumarkt nicht mit extremen Positionen zusammenhängen will, ist verständlich.“ Nun denn. Irritierend ist allerdings nicht nur, dass im NRW-Forum dieser Tage nicht die rechte Baumarktstimmung aufkommen will, sondern auch, dass in der Bauhaus-Ausstellung zunächst einmal lediglich einige Kopien von Werken aus der Werkbundausstellung „Film und Foto“ von 1929/30 hängen, die damals unter anderem in Stuttgart, Berlin und Zürich zu sehen war. Als Originale gibt es nur zeitgenössische Fotografien, und für diese wird in Anspruch genommen, dass sie sich „irgendwie“ auf die formalen Errungenschaften jener Jahre beziehen oder, wenn sich beim Betrachter die Einsicht nicht umgehend von selbst einstellt, „irgendwie“ beziehen lassen. Das alles wirkt reichlich konstruiert, auch wenn der Begriff des Neuen Sehens sich aus den fotografischen Experimenten der Bauhäusler ableitet und sicher bis in die Gegenwart und ins Œuvre eines Wolfgang Tillmans, einer Stefanie Seufert, einer Antje Hanebeck, einer Dominique Teufen oder eines Thomas Ruff weiterwirkt.
Einige sehr gute Arbeiten für sich genommen und eine virtuelle Rekonstruktion der kompletten Werkbundausstellung, die man via Virtual-Reality-Brille erleben kann, reißen die Sache halbwegs wieder raus. Man sollte sich speziell für Letzteres unbedingt Zeit und Muße nehmen und die Ausstellung nicht ausgerechnet an einem Sonntag besuchen, denn die Anzahl der VR-Brillen ist leider sehr begrenzt.

NRW-Forum Düsseldorf
noch bis 10.03.2019
Fotografieren in der Ausstellung erlaubt.

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