Uuups, they did it again – The Lost Tapes veröffentlichen ihre zweite Langspielplatte

The Lost Tapes

The Lost Tapes im Juni 2018 während der Session für „Inconvenience“ | Foto: Eckhard Heck

Auch auf „Inconvenience“ suhlen sich die verlorengegangenen Tonbänder in Reverenzen an den Sound der 1980er Jahre, bleiben aber weiterhin unbequem und vermeiden es gekonnt, wie das x-te 80s-Mash-up zu klingen. Das ist vermutlich der Tatsache zu verdanken, dass die individuelle musikalische Provenienz der Bandmitglieder recht unterschiedlich ausfällt und daher alle möglichen Stile – von Powerpop bis Punk – einfließen. Die schon vom Erstling (Self-Titled, 2017) gewohnte düstere Grundstimmung zieht sich allerdings auch auf „Inconvenience“ durch. The Lost Tapes kochen also neue Songs mit bekannten Zutaten, schmecken hier und da anders ab und salzen mithilfe einer Produktion aus dem Hause Nota Falsa nach, wo man sich darauf versteht, den Takes ihre Ecken und Kanten zu lassen, anstatt sie allzu rund zu lutschen. Auch hinsichtlich des Covers bleiben sich Berretz, Imhof, Klotz und Schmalohr treu und greifen wieder zu einem Foto des (ebenfalls unbequemen) US-Amerikaners Roger Ballen. Warum auch nicht? Wenn die Lost Tapes jetzt noch zwanzig oder dreißig weitere Platten veröffentlichen, wird das auch rein visuell ein schöner Katalog.

Im Sommer letzten Jahres, dem Jahrhundertsommer, hatte ich das Vergnügen, einer der Aufnahmesessions zum neuen Album beizuwohnen. Ich persönlich bin ja immer wahnsinnig gerne im Tonstudio, solange mich das nichts kostet. Zum Einspielen einer Schlagzeugspur war die ganze Band angetreten. Nicht, dass Drummer Christian Schmalohr das nicht auch alleine hinbekommen hätte; aber die ausgelassene Stimmung zwischen und das Mitspielen während der Aufnahme verliehen – nach meinem Gefühl – dem betreffenden Track einen besonderen Drive. Jedenfalls ging die Sache allen an jenem Tag gut von der Hand und ich vermute, dass die anderen Sessions ähnlich abliefen, denn die Aufnahmen war nach Auskunft der Band in knapp zwei Wochen im Kasten und fertig gemischt, was ich sehr beachtlich finde.

Erscheinen wird „Inconvenience“ wieder bei Rockstar Records, dem Aachener Label mit Hang zu schnell und schmutzig. Im Dezember letzten Jahres gab es bereits eine Vorveröffentlichung des Titels „King of Nothing“ in Form eines Videoclips, für den man Bruno Sukrow als Regisseur gewinnen konnte. Die magisch hakeligen Bilder des Aachener Ausnahmekünstlers, der noch mit 91 Jahren unermüdlich einen Film nach dem anderen dreht, passen erwartungsgemäß gut zu dem Song. Unter bit.ly/2Aw21NH kann man sich das Mehrgenerationenprojekt ansehen.

Wie sich das gehört, stellt die Band das neue Album als Live-Set vor. Die offizielle Release-Party findet am 15. Februar 2019 im Musikbunker statt (Beginn 20:00 Uhr, Vorgruppe: SHRIMP). Nach dem Gig gehtʼs zur After-Show-Party ins Voltaire.

Cover: Girl in White Dress, 2002, Roger Ballen
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