In den 80er Jahren gehörte Bridgespielen wie Tennis und Golf zum guten Ton. Heute fehlt dem Kartensport der Nachwuchs. Im Preuswald trifft sich der Bridgeclub Treff 86 e. V. Aachen immer noch regelmäßig dreimal die Woche.

Was ist los im Preuswald? Was kann man hier unternehmen, wer trifft sich wo, welche Aktivitäten gibt es? Das Stadtteilbüro sorgt seit 2011 dafür, dass es ein buntgefächertes Angebot für alle Altersgruppen gibt, vom Nähkurs bis zum Tanzabend, von der Büchertauschbörse bis zum gemeinsamen Feiern des Zuckerfestes. In keinem anderen Stadtteil nehmen so viele Familien wie hier am Kurs „Deutsch für Ausländer“ teil. Überdurchschnittlich viele Frauen engagieren sich ehrenamtlich. Und die Kirchengemeinde Maria im Tann steuert ein eigenes Angebot bei. Die Zettel in den Infokästen vor Ladenzentrum und Kirche rufen einem zu, wo man sich als Nächstes beteiligen kann.

Wer sich auf die Suche nach einem Vereinsleben macht, wird jedoch nicht fündig. Einzig der Bridgeclub Treff 86 e. V. ist im Preuswald ansässig. Im Ladenzentrum hat man auf der ersten Etage über 100 Quadratmeter bezogen. Ich steige die nach einem Winterregen glitschige Treppe hinauf und wundere mich, wie die älteren Vereinsmitglieder dies bewerkstelligen, da weist mich die stellvertretende Vorsitzende Barbara Scholz schon auf den barrierefreien Zugang von der anderen Seite hin, den der Vermieter Vonovia extra geschaffen habe. Als man vor 13 Jahren in die Räumlichkeiten gezogen sei, seien diese noch nicht so gut in Schuss gewesen, damals schlugen zudem sehr hohe Nebenkosten zu Buche. Heute zahlt man für die sanierten und gepflegten Räume eine moderate Miete.


Lediglich drei von rund 70 Mitgliedern des Vereins leben im Preuswald, alle anderen kommen aus der Stadt. Hier könne man gut parken, dies sei ein Kriterium für die Wahl des Spiellokals gewesen. Heinz-Leo Görtzen, der Vorsitzende des Vereins, hat mit seiner Frau, die sein Hobby teilt, drei Jahre lang gegenüber dem Vereinslokal gelebt. Sehr gerne hätten sie hier gewohnt, man sehe viele Kinder, es sei lebendig, zugewandt, freundlich. In der Kirche engagierten sich die unterschiedlichsten Nationalitäten für den Gottesdienst, erinnert er sich.

Schließlich zogen die Görtzens nach Laurensberg, wo man sich für eine Eigentumswohnung entschieden hatte – allerdings sehe man nun statt Kindern nur Menschen mit Rollatoren, witzelt er. Auch bei der Bridgegemeinschaft dominieren ältere Semester das Bild. Mit seinen 62 Jahren ist Heinz-Leo Görtzen der Jungspund. Die älteste Teilnehmerin ist stolze 98 Jahre alt. Das sei deutschlandweit so, berichtet Barbara Scholz. Von 120 Mitgliedern sind in ihrem Club 70 übriggeblieben, im letzten Jahr seien wieder einige verstorben.
Scholz fällt eine lustige Anekdote ein. Einmal hätten ein paar farbige Jugendliche vor der Türe gestanden und gefragt, was hier los sei: „Ist das eine Schule für Omas?“, hätten sie wissen wollen. Scholz lacht herzlich.

Das Schachspiel unter den Kartenspielen finde heute keinen Nachwuchs mehr, berichtet Görtzen. Sein Sohn habe Bridge noch erlernt, sei sogar Jugendmeister geworden, sei dann jedoch zu Magic gewechselt, wo er heute sogar weltweit Spiele kommentiere. Unter der jungen Generation sei dies heute das Schach der Kartenspiele der Wahl.

Früher sei das anders gewesen, in den 80er Jahren spielte jeder Bridge, der in einem Tennis- oder Golfclub war. Abends traf man sich dann zum strategischen Spiel, bei dem immer zwei Paare gegeneinander antreten.
Während sich bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und Belgien ebenso wie in Polen Bridge immer noch einer hohen Beliebtheit erfreut, ist der Trend in Deutschland vorbei. Auch beim Tag der offenen Tür locke man kaum noch Interessenten. Ein einziger Jugendlicher aus dem Viertel sei einmal zum Probetraining gekommen, habe das Spiel aber zu kompliziert gefunden.
Nichtsdestotrotz: Den Anwesenden kann das den Spaß nicht vermiesen. Viele von ihnen fahren dreimal die Woche im Preuswald vor, um sich in dreistündigen Turnieren zu messen.

 

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