Wer 300 Jahre amerikanische Kunst sagt, aber nur einige hundert Quadratmeter zur Verfügung hat, muss sich zwangsläufig inhaltlich beschränken. Da die Ausstellung streng chronologisch aufgebaut ist und den einzelnen Epochen einigermaßen gleich viel Raum zugebilligt wird, klaffen naturgemäß hier und da Lücken. Dennoch kann man sich anhand der Exponate (es handelt sich dabei übrigens abgesehen von zwei Fotografien und einigen kleinen Skulpturen ausschließlich um Malerei) und der gut geschriebenen Begleittexte einen recht umfassenden Überblick verschaffen. Schon wegen der Originale herausragender und hier selten gesehener Künstler wie John Singer Sargent, aber auch landläufig bekannter Vertreter wie Edward Hopper lohnt der Besuch. Aufgrund der historischen Bedeutsamkeit des Ereignisses widmet sich ein Raum den Künstlerinnen und Künstlern, die 1923 in der wegweisenden Armory Show in New York gezeigt wurden, jenem ersten Kräftemessen zeitgenössischer amerikanischer Malerei mit Strömungen wie dem Expressionismus und anderen Stilen, die auf dem Kontinent gerade en vogue waren.
Erfreulich ist, dass die Begleittexte wichtige Bezüge sowohl zur Kunst der Alten Welt herstellen, die die ersten Siedler (mehrheitlich Puritaner) nach bekannten Vorbildern aus ihrer britischen, deutschen oder flämischen Heimat malten, als auch auf die sozialen und politischen Verwerfungen in der amerikanischen Geschichte (beispielsweise den Bürgerkrieg) hinweisen, die nicht selten ganz neue Positionen und Genres hervorbrachten. Der Bogen schließt sich mit der Nachkriegsmoderne, mit der sich die amerikanische Kunst schließlich von den europäischen Vorbildern emanzipierte. Repräsentiert wird diese Phase etwa von Vertretern des abstrakten Expressionismus wie Mark Rothko und Barnett Newman, aber auch von dem von mir sehr geschätzten und allgemein zu wenig beachteten Franz Kline.
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

noch bis 24.03.2019
Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Fotografieren in der Ausstellung verboten.

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