Andreas Teichmann zu seiner Ausstellung: Durch Deutschland

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Wir haben Andreas Teichmann zu seiner Motivation befragt 50 Tage durch Deutschland zu wandern. Die Ausstellung zu dem Fotoprojekt ist ab dem 17. Febraur 2019 in Aachen zu sehen.

Wie kamen Sie auf die Idee der Fußwanderung?

Als Fotograf, der mehr als 25 Jahre mit Bildern arbeitet, wollte ich meine Wahrnehmung wieder neu sensibilisieren. Ich wählte die hochpräzise, aber technisch langsame Großbildkamera mit einer Auflösung von 100 Mio. Pixeln, um wieder genauer abzubilden. Aber nicht nur die Technik, sondern auch die Art der Bewegung sollte mich entschleunigen und die Sinne schärfen. Beim Gehen bewegt man sich in einem Tempo, dem unsere Sinne am besten folgen. Dabei bekommt man auch im Inneren das feinkörnigste Bild.

Was haben Sie sich von der Wanderung erhofft?

Entdecke dich selbst und das Land, in dem du zu Hause bist.
Ich wollte mit meiner West-Ost-Durchquerung eine aktuelle Bestandsaufnahme von einem Deutschland aufzeigen, das ich auch mit meinen Füßen lesen lerne, mit einem durchaus ergebnisoffenen Ansatz! Gesammelt habe ich sehr unterschiedliche Aspekte, wie z. B. politisch polare Meinungen von Bewohnern des Protestcamps am Hambacher Forst bis zu den Teilnehmern und Gegnern der Pegida-Demos in Dresden.

Welches Fazit ziehen Sie nach der Wanderung?

Gehen ist der unmittelbarste Weg hinein in die Welt und Gegenwart. Das Land zu Fuß zu durchqueren hilft dir, dieses Nebeneinander von polaren Eindrücken und Meinungen eher zu verstehen. Ein einfaches Beispiel: Im Westen Deutschlands sieht man um die Häuser eher Schmuck-/Ziergärten, wogegen im Osten eher Nutzgärten, oft einfach noch zur Selbstversorgung, zu finden sind. Generell hat mich überrascht wie grün es ist, also wie viele Felder, Wiesen und Wälder es in Deutschland doch gibt. Und wenn man es durchläuft, wirkt es viel menschenleerer als erwartet. Vieles, was wir heute sehen, ist medial gefiltert. Beim Wandern gewinne ich ein Stück ungefilterter Wahrnehmung zurück.

Warum wurde genau diese Route gewählt?

Irgendwo muss man ja anfangen, und da ich eher am Vormittag bis in den Abend gewandert bin, hatte ich auf der West-Ost-Route meist kein Gegenlicht. Aber nach der Wanderung ist vor der Wanderung! Das Projekt ist noch nicht beendet, es gibt eine Menge Regionen in Deutschland, die ich noch aufsuchen möchte. Konkret plane ich meine zweite Wanderung im August 2019. Dann geht es auf der Süd-Nord-Achse von Oberstdorf nach Sylt, dieses Mal werden es ca. 1400 km zu laufen sein. Für die damit verbundene Erweiterung der aktuellen Ausstellung suche ich immer noch Förderungsangebote.

Nadelfabrik, Aachen
Vernissage: Sonntag, 17.02.2019, 15:00 Uhr
Bis Freitag, 08.03.2019
Mo-Do 09:00-16:00 Uhr und Fr 09:00-13:00 Uhr

Eintritt frei

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