Start: 19.04.
Die amerikanische Filmemacherin Greta Gerwig hat ein Faible für Außenseiter. Das bewies schon ihr Drehbuch zum Indie-Hit „Frances Ha“. Ihre erste Regiearbeit „Lady Bird“ ist eine persönliche Geschichte vom Erwachsenwerden. Christine (Saoirse Ronan) weiß nicht so recht, wo sie hingehört. Nur nicht ins provinzielle Sacramento. Die Wunsch-Uni liegt weit weg, aber ebenso fern liegt der Traum danach. Ihre Mutter (Laurie Metcalf) ist nicht gerade eine große Hilfe, hat sie doch immer etwas auszusetzen an der Teenagerin. Christine will sich nicht anpassen, gibt sich selbst den Namen Lady Bird und bricht mit ihrer besten Freundin Julie. Aber ist dies wirklich der Weg zu sich selbst?

185

Start: 19.04.
Als Reaktion auf den 2013 verübten Bombenanschlag auf den Boston-Marathon beschwor der Slogan „Boston Strong“ den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft, die sich „den Terroristen“ nicht beugen wollte. Zu einer unfreiwilligen Symbolfigur der patriotischen Stimmung avancierte der 28-jährige Jeff Bauman, dessen Unterschenkel als Folge der Explosionen oberhalb der Knie amputiert wurden und der im Krankenhaus einen der Täter beschreiben konnte. Nach Peter Bergs Thriller „Boston“ über die Arbeit der Einsatzkräfte inszenierte David Gordon Green mit dem Charakterdrama „Stronger“ das besonnene Gegenstück dazu.

20

19.04.
Die erste Berliner Pressevorführung zu „Ghost Stories“ wurde nach einer Viertelstunde abgebrochen, weil auf dem Kinodach ein Feuer entstanden war. Ein gutes Omen für einen Horrorfilm? Einerseits ja, denn der mit klassischen Gruselmotiven spielende Episodenfilm erzeugt durchaus Gänsehaut und punktet mit seinem tiefschwarzen Humor, andererseits nein, denn allen Twists zum Trotz bedient die Adaption des gleichnamigen britischen Theaterstücks letztlich doch nur altbekannte Erzählmuster.

61

In einer Stadt, in der es seit sechzig Jahren weder Sonne noch Regen gibt, kontrolliert ein skrupelloser Tycoon die einzige Wasserquelle für alle.
Eines Tages erhält er von einem mysteriösen Wanderprediger ein Wettangebot …

32

Liebe Leser, können Sie sich noch an eine Zeit erinnern, in der man einen Blockbuster im Kino sehen wollte, einfach um unterhalten zu werden? Für Kinofilme gab es noch keine Teaser für Teaser-Trailer oder Expanded Trailer, die im Vorfeld von YouTubern überanalysiert wurden. Auch versuchten noch keine elaborierten Leitartikel, den Kinogänger in moralische Geiselhaft zu nehmen: Der Kauf eines Kinotickets bedeutete ausschließlich, dass man einen Film sehen wollte

52

Start: 12.04.
Seit seinem Kinodebüt „Antikörper“ dreht Regisseur Christian Alvart („Pandorum“, „Banklady“) regelmäßig Genrekino. Sein neuer Film „Steig. Nicht. Aus!“ adaptiert den spanischen Thriller „Anrufer unbekannt“ von 2015 und überzeugt als geradliniger Erpressungsthriller, der beinah ausschließlich im Auto des von Wotan Wilke Möhring gespielten Bauunternehmers Karl Brendt spielt. Ein Anrufer fordert knapp eine halbe Million Euro.

55

Im Oktober 1987 rief eine ältere Dame bei der BBC an, um einen schweren Sturm anzukündigen. Der bekannte Wettermoderator Michael Fish verneinte vor der Fernsehnation jedoch eine Gefahr. Er sollte sich irren. Jahre später rief der Sohn der Dame bei der BBC an, um den Sachverhalt aufzuklären. Amüsante und sehr kurze Doku-Animation.

47

Mein erster Gedanke bei einer Kolumne zum Thema Wetter waren ja die schönsten Gewitter in Horrorfilmen, aber da gibt es viel zu viele und irgendwie sind die auch alle schön. Glücklicherweise fiel mir dann aber gleich auch noch ein anderer schöner Film ein, der das Wetterphänomen sogar im deutschen Titel trägt: „Das jüngste Gewitter“ (Roy Andersson, 2007) ist der Mittelteil der Trilogie des schwedischen Regisseurs zum Thema „Leben“ und, obwohl alle drei Teile grandios sind, mein Favorit. Das Stilmittel, seine mit oft alltäglichen, aber nicht selten absurden Problemen kämpfenden Protagonisten in aufwendig durchkomponierten Tableaus mit langen Kamera-Einstellungen zu positionieren, ist Andersson hier mit besonderer Finesse gelungen. Außerdem gibt es gleich mehrere wundervolle Traumsequenzen – am besten aber demnächst bei schlechtem Wetter gleich die ganze Trilogie schauen

37

Start: 05.04.
Den mittleren Angestellten und ewigen Punching Bag des Schicksals Harold verschlägt es mit seinen Chefs, der biestigen Elaine und dem schmierigen Richard nach Mexiko. Dort soll ein großer Deal über die Bühne laufen, von dem Harold nur wenig ahnt. Doch je mehr er die Machenschaften hinter den Kulissen des Pharmakonzerns durchschaut, desto weniger hat er zu verlieren. Was der kleine Drogendealer Miles und die ahnungslose Sunny damit zu tun haben, warum der Kartellboss „Black Panther“ hinter Harold her ist und was die amerikanische Drogenbehörde zu all dem sagt, das bleibt bis zum Schluss spannend.

49

Start: 05.04.
Ein Café in Paris. Eine flüchtige Begegnung. Georg (Franz Rogowski) bekommt den Auftrag, einen Brief abzuliefern. Seine Belohnung: ein Platz im Auto nach Marseille. Er muss die Stadt verlassen. Überall wimmelt es von Polizei. Die Faschisten haben die Metropole eingenommen. Die Hafenstadt ist sein letzter Ausweg. Doch der Empfänger des Briefes ist tot. Bei dem Schriftsteller findet er einen Brief des mexikanischen Konsulats, das ihm einen Pass und eine Passage nach Amerika verspricht.

67

nur 06.04., 18:00 Uhr, Cineplex
J 2014 | Regie: Masaharu Take, Darsteller: Sakura Ando, Hirofumi Arai, Shinichirô Matsuura, 113 Min.
Die Mittdreißigerin Ichiko hängt den ganzen Tag vor der Glotze und hin und wieder im Bento-Laden ihrer Eltern ab. Als ihre Schwester sich scheiden lässt und wieder zu Hause einzieht, eskaliert der Streit zwischen den beiden ungleichen Frauen schon bald. Die Mutter beschließt, dass Ichiko ausziehen muss, um endlich auf eigenen Beinen zu stehen. Also fängt sie in einem 100 Yen Store an – dem japanischen Äquivalent zum 1-Euro-Shop.

177

Abel lebt im Winter, Apolline im Sommer. Ihre beiden Welten sollen sich eigentlich überhaupt nicht berühren. Doch die Neugier treibt Abel in die Sphäre von Apolline, mit unerwarteten Konsequenzen. Eine poetische und geheimnisvolle Allegorie auf die Jahreszeiten und das Leben, fantastisch illustriert vom spanischen Animationskünstler Carlos De Carvalho.

42

Wiederaufführungen von Filmklassikern sind in den letzten Jahren rar geworden, hauptsächlich trugen wohl die technischen Fortschritte im Heimkino-Segment dazu bei, dass die Kinos sich sorgten, für „alte Kamellen“ nicht genügend Zuschauerzuspruch zu finden. Nichtsdestotrotz wurden diese Filme für die große Leinwand gemacht und entfalten auch nur dort ihre vollständige Wirkung. Umso begrüßenswerter also, dass das …

178

Start: 22.03.1
Was für eine Farce! Der Sportskandal um die „Eishexe“ Tonya Harding erhitzte im Januar 1994 nicht nur die Gemüter von Olympia-Fans. Als im Vorfeld der Winterspiele in Lillehammer ein Eisenstangen-Attentat auf das Knie der Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan verübt wurde, geriet schnell deren Konkurrentin Tonya Harding als Drahtzieherin in Verdacht.

286

Start: 22.03.
Über sieben Jahrzehnte schildert der Film das Leben einer bayerischen Familie in einer opulenten Familiensaga.
Der in diesem Jahr 70 Jahre alt werdende Josef Bierbichler ist ein bayerisches Multitalent und eine Naturgewalt. Wenn der massige Schauspieler mit der tief röhrenden Stimme auf der Leinwand erscheint, degradiert er schnell mal alle seine Mitspieler zu simplen Stichwortgebern.

132

Start: 15.03.
Die „Florida Projects“ sind ein sozialer Wohnungsbau am Stadtrand von Orlando, unweit der künstlichen Welt des Walt Disney Parks. Ein Hafen für Gestrandete wie die 22-jährige Halley. Sie lebt allein mit ihrer sechsjährigen Tochter Moonee in einer winzigen Wohnung. Statt in die Schule zu gehen, ist Moonee dabei, wenn Halley auf den Parkplätzen der Shopping Malls billig kopiertes Parfum verkauft. Wenn das Geld für die Miete knapp wird, findet der gutmütige Motelmanager Bobby einen Ausweg. Und dann sind da noch die Freundinnen im Wohnblock, die sich gegenseitig helfen. Die Sommersonne brennt und Moonee und ihre Freunde genießen die Freiheit.

127

Start: 15.03.
Im April 1945 liegt der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen. Inmitten der chaotischen Wirren an der Front verliert der 19-jährige Gefreite Willi Herold seine Einheit und marschiert solo durchs Emsland. Als er in einem geparkten Auto am Wegesrand eine Hauptmannsuniform findet, streift er sie spontan über – und trifft kurz darauf den Gefreiten Freytag, der ihm den hohen Dienstgrad sofort abkauft.

370

Eine Hunde-Talentshow irgendwo in der Provinz. Vor einem erwartungsfreudigen Publikum stellen sich Vierbeiner mit außergewöhnlichen Begabungen vor. Kann der kleine „Sweetheart“ da mithalten?

45

Start: 08.03.

Wenn eingesessene Drehbuchautoren/-autorinnen ins Regiefach wechseln, liegt der Fokus der Werke oft unverhältnismäßig stark auf dem gesprochenen Wort. Ein gutes Beispiel dafür liefert nun auch Aaron Sorkin, dessen geschliffene Skripts zu „The Social Network“ oder „Steve Jobs“ zahlreiche Preise einheimsten. Sein Regiedebüt „Mollyʼs Game“ verfilmt die Memoiren der Poker-Diva Molly Bloom, die nach dem verletzungsbedingten Ende ihrer Skisportkarriere illegale Pokerturniere für Hollywoodstars veranstaltete.

26

Start: 08.03.
Zu den Megahits des Hollywood-Produzenten Jerry Bruckheimer zählen Kracher wie „Top Gun“, „The Rock“ und „Con Air“. Wenn Bruckheimer den Kampfeinsatz der US-Spezialeinheit verfilmt, die nach 9/11 als Vorhut im Krieg gegen Al-Qaida auflief, kann man eins sicher nicht erwarten: einen Antikriegsfilm. Nein, „Operation: 12 Strong“ kommt als Actionabenteuer daher, in dem ein dreckiges Dutzend vaterlandstreuer Amis auf Pferden durchs afghanische Hinterland reitet. Bis in einzelne Einstellungen hinein gemahnt die Parade extrem an den 80er-Klopper „Rambo III“, in dem Stallone mit den Taliban gegen die Russen kämpfte.

37

Das legendäre Mailänder Fußballstadion San Siro, Heimstätte sowohl für Inter als auch für den AC Milan, steht im Mittelpunkt dieser kurzen Doku, die den Tag vor dem abendlichen Spielbeginn mit langen, ruhigen Kameraeinstellungen und Close-ups skizzenhaft einfängt und dabei besonders die Architektur in den Vordergrund stellt.

102

Als Jason King war Peter Wyngarde eine der britischen Stilikonen der frühen 70er und auch heutzutage kennen ihn die meisten aus dieser TV-Rolle. Der am 15. Januar mit 90 Jahren verstorbene Schauspieler hatte aber auch einige bemerkenswerte Kino-Auftritte.

Geboren als Cyril Louis Goldbert, verbrachte er als Teenager gemeinsam mit dem späteren Schriftsteller J.G. Ballard vier Jahre in einem japanischen Gefangenenlager in China, wo er bereits durch eine Inszenierung von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ erste schauspielerische Erfahrungen sammelte.

41

natürlich ist ein Academy Award genauso unbedeutend wie ein Golden Globe, dessen Gewinn mittlerweile nur noch Beachtung findet, weil die Presse glaubt, von diesem Prognosen für den Oscar-Anwärter ableiten zu können. Obwohl alle Preisverleihungen lächerlich sind, das Spekulieren ist doch zu schön und in Form von Steven Gätjen sichert die Verleihung auch deutscher Arbeitsplätze.
Tragisch nur, dass das Oscar-Rauschen im Vorfeld mittlerweile länger wirkt als die prämierten Filme.

31

Start: 01.03.
Zu Beginn der Achtziger im Norden Italiens: Für den Teenager Elio sind die Tage im Sommerhaus der Familie geprägt von Freiheit, Freunden und flüchtigen Liebeleien. Sein Vater, ein angesehener Archäologieprofessor, forscht an der Küste und holt sich den jungen Assistenten Oliver ins Haus. Für Elio ändert sich mit der Ankunft des Amerikaners alles. Eine tiefe Verbundenheit herrscht zwischen Elio und Oliver von dem Moment an, an dem sie sich zum ersten Mal begegnen.

194

Aus dem Off erzählte Briefe an die Eltern und O-Töne illustrieren das Leben eines jungen Engländers der sich im 19. Jahrhundert als Rancher in die weite Wildnis des weitgehend unbewohnten Kanadas aufgemacht hat. Der Oscar-nominierte Animationsfilm mischt trockenen Humor und lakonische Erzählweise mit einer Prise Suspense.

32

Kino ist längst mehr als Marvel, Star Wars und ewige Fortsetzungen bekannter Marken. Statt sich von einem Blockbuster zum nächsten zu hangeln und die Zeit dazwischen auszusitzen, findet das Cineplex immer wieder spannende Reihen, die den Filmhorizont der Aachener Kinozuschauer erweitern. Die Reihen zum russischen, türkischen oder polnischen Film haben sich bereits etabliert. Das asiatische Kino ist derzeit mächtig im Kommen. Längst produzieren Hollywoodstudios ihre Big-Budget-Blockbuster mit chinesischer Unterstützung, wie gerade in diesem Monat der zweite Teil der „Pacific Rim“-Reihe zeigt. US-Boxoffice-Hits müssen sich im Gegenzug auch an der chinesischen Kasse bewähren, um ihre horrenden Produktionskosten wieder einzuspielen. Dabei hat das chinesische Kino viel mehr zu bieten.

48

Start: 22.02.
Anfang der Siebziger, lange bevor der Begriff „Whistleblower“ überall zu lesen war, sorgte ein Mitarbeiter des US-Militärs für einen Skandal: Er übergab streng geheime Dokumente an die New York Times, aus denen hervorging, dass die amerikanische Regierung das Volk jahrelang über die Aussichtslosigkeit des Vietnam-Konflikts im Dunkeln ließ. Die Times veröffentlichte einen Teil der Akten, und die Regierung unter Nixon drohte der Zeitung mit ihrer Stilllegung, sollte sie weiter berichten. Die Akten landeten auch auf dem Schreibtisch der Washington Post. Durch den plötzlichen Tod ihres Mannes war Katharine „Kay“ Graham zuvor Chefin des Verlagshauses geworden. Keine einfache Aufgabe, muss sie sich doch in einer Männerwelt behaupten.

28

Eine kompakte Filmanalyse mehrerer Filmszenen von Jacques Tatis Meisterwerk aus dem Jahre 1967. Als Perfektionist, der er zweifellos war, überließ Tati nichts dem Zufall und komponierte jedes auch noch so beiläufig erscheinende Detail zu einem großartigen surrealen und subtil erzählten Spiegel der Moderne am Ende der 60er Jahre.

33

Ein Briefträger mit einem eher geruhsamen Job in einem Villenviertel bekommt eines Tages einen neuen Zustellbezirk zugeteilt – und die dreifache Menge an auszuliefernder Post. Die jedoch will niemand wirklich haben, denn auch vor rund zehn Jahren, als der Film entstand, bestand der Großteil der Post nicht mehr aus Omas Geburtstagsgruß oder Onkel Heinrichs Urlaubskarte.

57

Start: 15.02.
In manchen Kommentarspalten sammeln sich bereits erste Stimmen, die den neuen Film von Guillermo del Toro niedermachen. Aber ihr, liebe Leserinnen und Leser der Movie, solltet euch von den Hatern nicht beirren lassen! Del Toros Außenseitermärchen ist nämlich ein zauberhafter Film, einer, der die Klaviatur des Kinos mit scheinbarer Leichtigkeit spielt, kurzum: ein Meisterwerk. Wie in „Pans Labyrinth“ verquickt der Autorenfilmer einen Fantasyplot mit einem realen historischen Kontext. Was bei „Pan“ das faschistische Spanien war, ist hier der Kalte Krieg mit dem Wettrüsten zwischen Amerikanern und Russen.

34