Start: 15.02.
Der neue Thriller von Ridley Scott machte bereits im Vorfeld seiner Premiere einige Schlagzeilen, als 1. der Auftritt von Kevin Spacey wegen der gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe gestrichen und sein Part mit Christopher Plummer neu abgedreht wurde und als 2. herauskam, dass Mark Wahlberg beim kurzfristig anberaumten Nachdreh eine um 99 Prozent höhere Gage als seine Kollegin Michelle Williams erhielt. Im Kontext der aktuellen Sexismusdebatte in Hollywood und anderswo ist „Alles Geld der Welt“ also kein unbeschriebenes Blatt, doch über den Film selbst sagt das freilich nichts aus.

22

Start: 08.02.
Ein weißer Fleck auf der Landkarte, schroff und erbarmungslos. Die Winter sind hier in Wyoming besonders hart mit Minustemperaturen im zweistelligen Bereich. Der Jäger Cory Lambert entdeckt eine junge Frau im Schnee. Doch ihr Körper liegt nicht irgendwo, sondern am Rande des Indianerreservats Wind River und auch das tragische Opfer ist indianischer Abstammung. Für die Bundespolizei ist der Fall damit unwichtig. Soll sich doch die Behörde für indianische Angelegenheiten damit abgeben. Die junge FBI-Agentin Jane Banner wird von der Ausbildung im 800 Meilen entfernten Las Vegas in die verschneite Gegend beordert. Je mehr sie über die Zustände in dem Reservat erfährt, desto mehr fühlt sie sich verpflichtet, den Fall aufzuklären.

188

Der Schauspieler Dwight Frye würde am 22. Februar seinen 119. Geburtstag feiern, wurde aber leider schon im Alter von 44 Jahren abberufen. Gelernter Konzertpianist, spielte er lange Zeit am Broadway hauptsächlich komödiantische Rollen, bis ihm 1931 in Hollywood der Durchbruch gelang – mit einer Nebenrolle, die dann auch wie ein Fluch auf seiner restlichen Karriere …

35

Ein Bankraub will stets sorgfältig geplant sein – vor allem dann, wenn er bei völliger Dunkelheit stattfinden soll. Aber auch die akribischste Vorbereitung nützt wenig, wenn die lange Wartezeit bis zum Coup an den Nerven zehrt.

33

Start: 01.02.
Die Welt dreht sich um Reynolds Woodcock. Der Modedesigner lebt ein von strengen Regeln diktiertes Leben im London der 1950er. Der Erfolg gibt ihm recht, die Frauen liegen ihm zu Füßen. Doch kaum eine Frau hält es länger als ein paar Monate mit ihm aus. Da trifft er auf die resolute Kellnerin Alma. Reynolds ist fasziniert von der hochgewachsenen Frau, deren Maße und unverblümte Direktheit ihn faszinieren. Doch auch Alma muss sich den Launen des Meisters unterwerfen, versucht dabei aber, ihre Autonomie zu bewahren.

234

Start: 01.02.
Wenn andere feiern, müssen Max und sein Team schuften. Seit 30 Jahren organisiert er feudale Hochzeiten für gut betuchte Kunden. Dabei kann ihn nichts aus der Ruhe bringen: Wenn das Fleisch ausfällt, müssen spontan Pasteten her, wenn die Band umkippt, macht man eben mit Platten weiter. Eine desolate Stromversorgung macht ihm ebenso wenig zu schaffen wie ein arroganter Bräutigam. Vor privaten Schlägen ist er aber auch nicht gefeit, und so muss er sich von seiner Frau verabschieden und auch seine Affäre gibt ihm den Laufpass. All das geschieht in einer Nacht, die noch viele Überraschungen zu bieten hat – und nicht alle davon sind von Max geplant.

74

Start: 01.02.
Es ist ein Film, der so schlecht ist, dass man es kaum glauben mag: „The Room“. Das 2003 veröffentlichte Machwerk des schrulligen Kanadiers Tommy Wiseau hat heute zahlreiche Fans, die den ungewollten Trashcharakter zu schätzen wissen. Nun nimmt sich Regisseur und Darsteller James Franco der Entstehungsgeschichte des Kultfilms an. Der Plot setzt 1998 in San Francisco ein, wo der exzentrische Tommy (James Franco) und der 19-jährige Greg (Dave Franco) von einer Schauspielkarriere träumen, aber nur mieses Feedback bekommen. Also wollen die Kumpels in Los Angeles groß rauskommen. Aus unbekannter Quelle akquiriert Tommy 6 Millionen US-Dollar, um einen eigenen Film zu drehen. Doch beim Dreh verzweifelt die Crew an seinen Launen und seiner Talentlosigkeit …

67

Start: 25.01.
Moritz Bleibtreu ist Ricky, ein Gangster – was sonst –, der frisch aus dem Knast gekommen ist und von einem Leben unter der Sonne Cabreras träumt. Dazu fehlt ihm allerdings das nötige Kleingeld. Also muss ein Job her, den er bei seinem Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) findet: ein todsicheres Ding, das natürlich mächtig schiefläuft, weil sein chronisch unfähiger Bruder Rafael (Edin Hasanovic) die Beute verliert.

233

Start: 25.01.
Wegen eines seltenen Gendefekts kam der zehnjährige August „Auggie“ Pullmann mit einem entstellten Gesicht zur Welt. Bislang unterrichtete ihn seine Mutter zu Hause, nun geht der Junge in die fünfte Klasse einer öffentlichen Schule – und avanciert wie befürchtet zum Gespött der anderen Kinder. Das emotionale Außenseiterdrama „Wunder“ hätte allzu leicht als bittersüße Kitschbombe enden können. Dass dies nicht geschieht, liegt am feinen inszenatorischen Gespür des Filmemachers Steve Chbosky („Vielleicht lieber morgen“) und der multiperspektivischen Handlungsführung.

332

Start: 18.01.
Die Schlacht von Dünkirchen ist 77 Jahre her, aber in diesem Kinojahr allgegenwärtig. Nach „Churchill“ beleuchtet nun auch „Die dunkelste Stunde“ die Rolle des Premiers Winston Churchill. Er war bereits jenseits der sechzig, als er zum Premierminister ernannt wurde. Der Zweite Weltkrieg tobte in Belgien und Frankreich, England wurde zurückgedrängt, die Lage schien aussichtslos. Niemand wollte den dicklichen Gewohnheitstrinker, der allzu oft seine Meinung offen vor sich hertrug.

236

Start: 11.01.
Es zeichnet einen großen Künstler aus, wenn er in verschiedenen Bereichen Meisterhaftes hervorbringt. Ein solcher Meister ist Julian Schnabel wahrlich, zählt er doch nicht nur zu den gefragtesten bildenden Künstlern unserer Zeit, sondern hat es auch bereits mit seinem ersten Film zum gefeierten und vielfach preisgekrönten Regisseur geschafft. „Basquiat“ über seinen Freund und Künstlerkollegen Jean-Michel Basquiat, der viel zu früh verstarb, „Before Night Falls“ über den kubanischen Dichter Reinaldo Arenas und schließlich die Romanadaption „Schmetterling und Taucherglocke“, die in Cannes den Regiepreis gewann – Meisterwerke für sich, die immer wieder auch die eigene Biographie des New Yorkers widerspiegeln.

80

Der fremde Revolverheld betritt den Salon, in dem sich eine illustre Schar von Einwohnern befindet. Die Ankunft wird mit einer sonoren Stimme aus dem Off kommentiert, die jedoch nicht nur der Zuschauer hört, sondern auch die Gäste im Salon. Ein Western-Persiflage mit einem genialen Setting, das ein wahres Füllhorn an Gags bereithält und eine Screwball-Comedy der absoluten Extraklasse.

132

Die preisgekrönte Doku porträtiert zwei Brüder in Borschemich, einem kleinen Dorf, das dem Tagebau Gartzweiler II weichen muss. Die beiden, die eine Gärtnerei betreiben, gehören zu den letzten Bewohnern, die noch in dem Ort leben.

205

Start: 04.01.
Bereits die Vorspann-Credits im Stummfilmdesign triggern die liebevolle Machart des Kostümfilm-Musicals „The Greatest Showman“, das auf dem Leben des Entertainers P.T. Barnum (1810-91) basiert. Dieser wuchs in Armut auf und führt mit der adretten Charity eine Ehe ohne viel Geld, dafür aber mit einer Extraportion Liebe und zwei reizenden Töchtern. Doch Barnum will seine Herkunft hinter sich lassen und endlich als Teil der feinen Gesellschaft reüssieren. Dafür eröffnet er mit einem Kredit von der Bank eine Mischung aus Kuriositätenkabinett und Akrobatikshow und heuert als Ensemble Außenseiter wie eine vollbärtige Matrone und eine exotische Seiltänzerin an.

331

Seit 2012 findet im Rahmen der Live-Audiokommentar-Reihe in der Raststätte unter dem Motto „Au Hurgebiet“ in Zusammenarbeit mit dem Blog „Aachener Untergrund Kultur“ jährlich ein Aachen-Special statt. Dabei werden verschiedenste Filmdokumente gezeigt, die im Zusammenhang mit der Kaiserstadt stehen, und live von Frank Rowenta und meiner Wenigkeit kommentiert. Bei der Auswahl werden besonders ältere Fundstücke berücksichtigt: So gab es bislang unter anderem Dokumentationen, Konzertmitschnitte (u. a. Aachener Pop Festival 1970, Sonic Youth), Kurzfilme (u. a. von Bruno Sukrow und Heiko Fischer) und private Super-8-Aufnahmen zu sehen, je obskurer und bizarrer, desto besser.

166

Start: 28.12.
Centaur wird er genannt – nach dem sagenumwobenen Fabeltier. Dabei lebt der Held der Geschichte ein bescheidenes Leben mit seiner gehörlosen Frau und ihrem kleinen Sohn in der Steppe Kirgisistans am Rande von Bishkek, hoch oben in den Bergregionen der Hauptstadt. Doch nachts schleicht er in die Ställe der reichen Großgrundbesitzer und befreit die edlen Rennpferde. Er will die Ehre und das Glück seines Volkes wiederherstellen, indem er der alten Legende nach auf einem edlen Pferd zum Himmelsvater emporreitet.

38

Der Nachtwächter beginnt seine Schicht. Routinemäßig dreht er seine Kontroll-Runden und vertreibt sich zwischendurch die Zeit mit wissenschaftlicher Lektüre. Als er nach einem Rundgang einen Fremden in seinem Büro entdeckt, beginnen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion allmählich zu verschwimmen.

75

La buena vida – Das gute Leben: Ein Film über Kohleabbau in Kolumbien? Was hat das mit uns zu tun? Mehr, als uns lieb ist. Kolumbien war 2011 erstmals Deutschlands größter Steinkohlelieferant. Kohle aus dem größten Steinkohletagebau des Landes wird in den Kraftwerken von RWE, E.ON und Co. verstromt. Schanze erzählt in dem Film die …

124

Drei Jahre hat Todde Kemmerich rund um den Hambacher Forst recherchiert und Aktivisten, Anwohner und Initiativen begleitet und Aktionen dokumentiert. Entstanden ist ein Film über den Klimaaktivismus im Rheinland. Zu sehen ist Michael Zobel, der bei 44 Führungen inzwischen über zehntausend Menschen in den Forst geführt hat und ihnen die Natur nahebringt. Da ist Antje …

498

Wir hätten doch die Badehandtücher mitnehmen sollen. Im Winter. Zu einem Filmfestival. Es ist Anfang Dezember, und das Wetter ist von der Freibadsaison so weit entfernt wie der Pluto von der Erde. Bei der Ankunft in Leuven peitscht der Regen durch die Straßen, es ist windig und kalt. Ein winziges heiß temperiertes Plätzchen – darf man in diesem Fall von einem Hot Spot reden? – wäre eine willkommene Aufwärmung.

32

Start: 14.12.
Das Kino von Claire Denis („Beau travail“) ist sperrig und verschließt sich zumeist dem Zugang einer breiten Zuschauerschaft. In ihrer Heimat wird sie verehrt, hierzulande ist sie kaum bekannt. Da überrascht sie uns mit ihrem zugänglichsten Werk, der Selbstfindung einer Frau in den „besten Jahren“. Juliette Binoche ist Isabelle, eine angesehen Künstlerin, die sich in den blasierten Kreisen der Kunstwelt bewegt, aber nie richtig dazugehörte. Trotzdem versucht sie, sich ein wenig anzupassen – an die Unangepassten, die auch nur das Klischee leben.

90

Start: 14.12.
Mathieu, 33, lebt mit Frau und Kind in Paris, als ihn die Nachricht vom Tod seines zeitlebens unbekannten Vaters erreicht. Um seine Halbbrüder und die übrige Familie kennenzulernen, fliegt Mathieu nach Montreal, wo ihn Pierre empfängt. Der beste Freund des toten Vaters will das Familiengeheimnis nicht lüften und stellt Mathieu als Freund aus Paris vor. Mit Pierre und seinen Halbbrüdern sucht Mathieu in einem See nach der Leiche des beim Angeln gestorbenen Vaters und findet Trost bei Pierres Frau und Tochter.

26

Start: 14.12.
Der Schotte Andy Goldsworthy schafft vergängliche Kunst in der Natur – als Teil und mit der Natur. Fragile Skulpturen, kunstvolle Collagen, Skulpturen, die von Regen und Schnee geformt werden. Der Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer begleitete ihn bereits zur Jahrtausendwende und schuf mit „Rivers and Tides“ ein eigenes Kunstwerk mit eindrücklichen Bildern der Kunst Goldsworthys.

266

Der Mensch als Fleisch(fr)esser – exzessiv, gierig und maßlos. Ein bitterböser und äußerst amüsanter, collagenhaft animierter phantasmagorischer Albtraum. Und auch die Veganer bekommen ihr Fett (!) weg.

139

Start: 07.12.
Ein Leben für ein Leben: Innerhalb der Mauern eines Krankenhauses spielen sich alle Winkel der emotionalen Klaviatur ab. In einem Raum müssen die Angehörigen mit dem Verlust klarkommen, während in einem anderen neues Leben geboren wird. Im ersten Raum finden sich die Eltern des 17-jährigen Simon wieder, nachdem ihr Sohn bei einem Surfunfall ins Koma fiel. Nun müssen die getrennt lebenden Eltern eine Entscheidung treffen, die das Leben von Claire retten könnte.

123

Start: 07.12.
Zwischen „Elliot, der Drache“ und der kommenden Peter-Pan-Verfilmung hat der Regisseur und Autor David Lowery eine persönliche, eigenwillige, wunderschöne Gespenstergeschichte realisiert. Rooney Mara spielt darin die junge M, Casey Affleck deren Mann C, der bei einem Autounfall stirbt und als Geist ins gemeinsame Vorstadthäuschen zurückkehrt. Während M trauert, steht C stumm daneben und kann sich nicht bemerkbar machen. Der Film verharrt die meiste Zeit im Innenraum des Hauses. Zeit verrinnt, neue Menschen ziehen ein und aus, es geht in die Zukunft und wieder zurück.

123

Ich hätte eigentlich gedacht, zum Thema „Wurst“ mehr Horrorfilme auftischen zu können, aber diese variieren doch schon sehr in ihrer Fleischverarbeitung – von Katzenfutter in „The Corpse Grinders“ (1971) bis zu Sülze in „The Texas Chain Saw Massacre“ (1974). So ist denn meine Auswahl von Wurstfilmen etwas genreübergreifender geworden.

In „Prime Cut“ (Michael Ritchie, 1972) wird Lee Marvin im Auftrag des Chicagoer Mobs zu einem Hinterwäldler-Rancher und Schlachthausbesitzer (Gene Hackman) geschickt, um dessen Abgaben zu überprüfen. Er geht dabei durchaus vorsichtig vor, denn der letzte Ermittler wurde als Wurst zurückgeschickt. Feines düsteres 70s-Kino mit einigen groben Szenen und schmackhafter Besetzung, hieß auf Deutsch, warum auch immer, „Die Professionals“.

70

Die Geschichte Deutschlands – erzählt und virtuos animiert anhand eines seiner größten Exportschlager: der Wurst. Eine sarkastische und intelligente Parabel, die einen Bogen über mehrere Jahrhunderte spannt.

369

Liebe Leser, entschuldigen Sie meine Abwesenheit. Ich hatte ein paar Videokassetten zurückzubringen. Doch habe ich etwas verpasst? Sagen Sie es mir. Der Kino-Dezember kapituliert jedenfalls schon einmal vor Die letzten Jedi. Ach wäre dem nur so. Nach zwei uninspirierten Star-Wars-Filmen aus dem Hause Disney macht sich bereits ein Sättigungsgefühl wie nach fünfzehn Marvel-Filmen breit. Trotzdem wird das Publikum den Film mit Foie-Gras-Augen schlucken und nach mehr schreien, bis Kino oder Gänger platzen (voraussichtlich ab 14.12.17).

29

Der Wurstverkäufer und die Bäckerin, die ihre Waren an einem kleinen Stand feilbieten, bekommen unerwartet Konkurrenz, als eines Tages ein Großproduzent für seine industriell gefertigten Fleisch- und Backwaren einen glitzernden Laden aufmacht. Temporeiche und mit vielen Gags und Anspielungen gefütterte Animation.

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