LIEBE BIRGIT!!! Mit ca. 12 war ich bei 1 kleinen Kumpel 1geladen worden und spielte irgend1 abscheuliches Jungenbrettspiel bei diesem mit im Kinderzimmer. Um mich vollends zu be1drucken, legte er zu allem Überfluss 1 Schallplatte von Otto Waalkes auf. Diese war irgendwie weiß und außen pink beschriftet.

7

Alleinunterhalter. Kaum noch gebräuchlich der Begriff, oder? So wie Bedürfnisanstalt. Oder Fräulein vom Amt. Selbst „Entertainer“ klingt mittlerweile schon reichlich verstaubt. Vielleicht aus dem Grund, dass die meisten auch schon Staub sind. Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin; das Rat Pack halt.

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Ich bin immer dahin 1geladen, wo ich nicht hinwill, und da, wo ich hinwill, bin ich nicht 1geladen. Schon wenn am Telefon 1 alte, greise Freundin stammelt: „Du weißt ja, ich hab bald Geburtstag!“, ist mir klar, wie der Hase läuft. (Natürlich gehe ich 1 Woche nicht an den Hörer, aber irgendwann lässt es sich nicht mehr 4meiden.)

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Ich habe ja ab und an schon mal Angst vor Zwangsgedanken. So einmal die Woche mindestens. Wenn gewisse Sätze oder Melodien mir auf einmal nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen, steigt in mir die Angst, in Kürze durchzudrehen. Ich kriege Panik vor einer Endlosschleife und fange an, mein Gesicht im Spiegel zu betrachten mit der Frage auf den trockenen Lippen: Schaue ich schon zu lang?

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Andy Warhol, Marlon Brando, Mary Quant, Brigitte Bardot, Twiggy, Yves Saint Laurent, Mick Jagger, Truman Capote, The Beatles – eine illustre Runde!? Absolut! Und das Beste: Wir waren mit dabei… 2018 ist das Jahr „50 Jahre danach“. 50 Jahre nach 1968, dem sinnbildlichen Jahr des neuen politischen Bewusstseins, des Umbruchs und der Revolutionen. Nicht verwunderlich …

184

Japan bangt um die Zukunft des Sumo. Stand zumindest in einem liegen gelassenen Magazin im Zugabteil 2. Klasse. Und Japan ist ja immerhin auch eine Zweiklassengesellschaft. Immer weniger Landsleute wollen ihre Wampe in einen Lendenschurz drücken, hieß es. So stehen sich schon seit längerem verstärkt Hawaiianer und Mongolen gegenseitig auf den Füßen rum. Das deprimiert den Japaner natürlich. Echte Sumo-Ringer leben den Ehrenkodex der Samurai. Da ist kein Platz für Ukulele und Einglas-Brillen oder wie diese alten Lesehilfen heißen. Tja. Habe dieses Bratenwenden eh nie so richtig verstanden; also verstanden schon, nur der Sinn des Ganzen liegt mehr fern. Aber hinterfrage mal Traditionen.

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„Ene Mene Mopel“ – wer sich den Namen von Helge Schneiders aktueller „Tournee durch die Konzerthäuser Mitteleuropas“ auf der Zunge zergehen lässt dürfte recht zügig feststellen: Der ergibt wenig Sinn.

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Ich mache mir immer Notizen 4 den nächsten Artikel und dann, wenn ich die besten Ideen habe, hab ich kein Papier dabei oder ich kann meine eigene Schrift nicht mehr lesen; wegen des Winters schreibe ich auch nicht mehr nackt, das tat ich früher gern, weil ich morgens aus dem Bett sprang und sofort losschrieb, dann erst duschen ging …! Aber das weiß ja keiner beim Lesen, hihihi. Also: Ich war jung und beklagte irgendetwas, wahrscheinlich den Ablauf der Zeit oder das Familienleben an sich, da sagte meine Mutter: „DAS wirst Du noch sehen, wenn Du mal 1ne eigene Familie hast!“ Es klang wie 1 Drohung. (Ich wartete dann also still im 4borgenen ab, dass ich 1 eigene hätte. Das Warten aber half nicht.) Ich glaube, ich wollte „DAS“ gar nicht wissen. Wahrscheinlich habe ich deshalb keine eigene. Auch keine geliehene. Ich will meine RUHE haben; ach: Früher dachte ich, die Welt sei gerecht und jeder sei gleich viel wert. Das stimmt aber nicht.

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So ärgerlich es ist, wenn der Kurierdienst einen Zettel hinterlässt, statt das Paket beim Empfänger abzuliefern: Manchmal hat es auch sein Gutes. Zum Beispiel, wenn sich der Paketshop, in dem die bereits heiß ersehnte Bestellung aus Großbritannien landet, in Burtscheid befindet und einem so die Gelegenheit geboten wird, diesen ehemaligen Vorort von Aachen (1897 eingemeindet) mal wieder aufzusuchen. Mein Plan: Paket einsammeln und dann gleich um die Ecke bei Fisch Zegel den Backfisch testen, den sie seit Kurzem im Angebot haben.

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LIEBE BIGGI! Nun möchtest Du wissen, wie es mir in diesem Monat ergangen ist. Das möchte ich auch gern wissen. Bzw. würde ich mich auch nicht heiraten, sagte mein Vater mal über sich selbst; also: 4heiratet bin ich immer noch nicht! Ich glotzte Fotos im Netz an und blieb nicht nur auf www.Punkfoto.de, sondern auch auf Romy Schneider hängen: Ich dachte mal, dass ich so schön wie Sissi alias Romy sei und doch wurde sie nur 43, 45 oder so, wie 1 Kerze, die an beiden Enden brennt – ist sie 4glüht …, so jung und drall und die Augen voller Neugier und Hoffnung, später dann: 1 gebrochene Frau, rauchend auf dem Bett, die Augengegend geschwollen, die Augen tot: Oh Gott, geht es uns allen so?

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HI. Wir waren in Paris von SA 7 Uhr bis SO 5 Uhr mit vielen Kindern, alles mit Soldaten voll, weil Johnny Halliday (6.12.17 +) Begräbnis und Ehrenzug um den Arc de Triomphe, Macron da und alle Ampeln mit Trauerüberzügen in Schwarz, wo nur 1 + rot draus leuchtete (wer wusste schon bei Buchung, dass er, der frz. Elvis, wg. Lungenkrebs mit 74 sterben würde?) …, … später fiel 1 Mädel 2 mal in Ohnmacht wg. Blutarmut und Pubertät (neben uns) -> Krankenhaus. Ich wollte Père Lachaise; doch wg. Metrosperrung teilweise hab ich nur den Montparnasse +hof besucht. Sah Grab Sartre, de Beauvoir, Baudelaire.

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Ronja von Rönne kokettiert gerne mit ihren Unzulänglichkeiten wie Schreibblockaden und Befürchtungen, vor leeren Lesungen zu sitzen. Das erinnert mich an Bukowski. Mit einem Unterschied: Seine Lesungen waren wirklich prall gefüllt, was man von der Couvenhalle nicht behaupten kann.

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Da geht es um die Wurst (grober Joke)! Nee, im Ernst: Als ich so rumfragte, was die Peergroup mit Wurst 4bindet, kam eher so 1 4haltenes Würgen raus, weil jeder glaubt, diese sei im Allgemeinen giftig wg. Massentierhaltung, und sich lieber mit dem Emblem des Vegetariers schmückt; dies jedoch nur, wenn Zeugen dabei sind. Heimlich dort aufschlagend trifft man alle fast tagtäglich im Wurstpalast oder bei Mc D an der Bigmac-Theke; in letzterem mit Rabattmarken das 3-fach-Menu bestellend. Aber ich mache es nicht total inkognito, ich stehe (meistens) dazu, Flexitarier zu sein, außerdem 4schlinge ich alles, was nicht bei 3 vom Teller hüpft! Es ist aber nicht en vogue und alle lachten mal über den Scherz (in der Metzgerei), bitte etwas von der Groben, Fetten zu wollen, und nee, die hat heute Berufsschule!

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Ronja von Rönne, Jahrgang 1992, hat als Kind keine Wurstscheiben bekommen wie andere Kinder, sondern AOL-CDs. Ihre Mutter entsorgte diese und seitdem schreibt von Rönne wütende Texte. Ihr Onlineblog „Sudelheft“ machte die junge Studentin (mehrere abgebrochene Studiengänge, u. a. kreatives Schreiben) bekannt und handelte ihr einen Vertrag bei der „Welt“ ein, für die sie die letzten zwei Jahre Kolumnen verfasste. Seit Oktober dieses Jahres hat sie ein Engagement bei der „Zeit“.

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Meine Freundin sagt, es trinken sowieso alle und Alkohol ist bei uns Kulturgut. Dran zu +, ist 4 jeden 1 Ehre, aber niemand sagt es laut. Es wird allgemein akzeptiert und nur heimlich beweint. Meine Kneipe war das HQ. Wo ich mal 1997 hin mitgenommen wurde und es wäre 4 me in meinem Inneren nie als „Kneipe“ bezeichnet gewesen, vielmehr als „Wohnzimmer“, in dem man sich mit „seiner Familie“ trifft. Am Tresen sah ich: Menschen, die bei N8 ziemlich interessant und gut aussahen, bei Tag aber jeglichen Glanz 4loren hatten, sich dessen jedoch nie gewahr wurden. Natürlich bestellten sie Bier.

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#KulturinAachen hat es nicht leicht: Kaum wird in ein schönes Festival wie das Kimiko Festival 2017 auf die Beine gestellt, kann man sicher sein, dass sich wieder Anwohner finden, die drei Tage unter den „unverschämt egoistischen, rücksichtslosen Kulturtreibenden“ leiden, Unterschriftenaktionen gegen diese Barbarei sammeln und bei der Stadt einreichen und ihr empörtes Konterfei in die …

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… verspricht das Tourplakat der Black Angels und exakt das liefern die Psychedelic Rocker aus Austin Texas in der Muziekgieterij in Maastricht auch ab. Doch bevor der Hauptact die Bühne betritt, stimmen A Place to Bury Strangers das Publikum erst einmal grundlegend auf die „Psychedelic Experience“ des Abends ein – und die ist bei dem …

76

Beim Konzert einer Band, die seit 1989 bzw. 1991 von sich reden macht, muss es niemanden wundern, wenn sich dann 2017 im Kurpark Aachen in erster Linie Menschen um die 40 im Publikum tummeln. Ob das nur mit dem Fanta-Gründungsjahr oder auch mit den Sponsoren der Veranstaltung (WDR2, Porsche, …) zusammenhängt, sei dahingestellt – in …

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Unser Putzfrauehepaar nahm uns in den 80ern mit in die Kleingartenkolonie, meinen Bruder und mich, da war ich 12 und schwer be1druckt von der Ordnung der Pflanzen und dem kleinen Holzhäuschen auf dem Grundstück. Es war wie 1 Heim – gemütlich und mit Öfchen, Tischen und Bänken; hier in meinem Viertel heute: Nebenan 1 Kleingartenkolonie, wo wir nur hören: Saufgelage, Partys, Schreie und Blaskapellen, drin war ich noch nie.

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Helgoland komplett unterkellert. Kam es mir plötzlich in den Sinn. Ich saß im Halbdunkel, schnitt mehrere Bananen in Stücke und bekam semiklebrige Finger; also mehr pappend als haftend. Helgoland. Da war doch was. Da hatte ich doch was gelesen. 1945 flüchteten bei einem Bombenangriff alle Inselbewohner nach unten, 17 Meter in die Tiefe, in ihren Bunker. 3300 Leute. Passte so gerade. Jeder Insulaner bekam auf einer Bank 50 cm eingeräumt. Nun, die Kochbanane (Musa paradisiaca) ist bis zu 40 cm lang. Sicher wurde man schon auf der Treppe hingewiesen, dass man die Banane hochkant tragen und nicht neben sich längs auf die Bank legen sollte.

97

ENDSTATION: Ich hatte 1 magersüchtige Freundin in der Schule, die wog später nur noch 32 Kilogramm und hatte immer Schmerzen beim Sitzen auf ihren Poknochen (blau dann) sowie lange blonde Haare auf den Armen (Endbehaarung). Die kam unterdes ins Klinikum und kriegte immer Sahne in die Magensonde rein, später hatte sie Morbus C(h)ron und der Ehemann durfte nix von der 1. Erkrankung wissen (als es rauskam, weinte sie); auch sah ich mal 1 anorektische Französin in 1 Bus kotzen (in Spanien); der Bus fuhr bergauf und sie konnte ja nur noch gelbe und weiße Galle von sich geben, das lief fein den schwarzen Plastikbodenbelag mit Rillen herunter/herab und stank bestialisch bei 40 Grad (später trocknete es an); Gottseidank esse ich zu gerne Raffaello; ja: Sucht ist auch Endstation, da sucht sich eben jeder die, die auf die persönlichen Synapsen zugeschnitten ist; meine: Lieben, Shoppen, Rauchen, Sehnsucht – grauenhaft.

25

Nun. Für viele ist Bus ein Muss. Aber auch nur, weil sie nicht anders können. Taxi ist Luxus, die Bahn kommt, wann sie will, und ein E-Bike mag zwar Vorteile haben, aber Winter bleibt Winter. Gut, den bekommt man auch manchmal im Bus zu spüren. Das Gebläse für die Fahrgäste einzuschalten liegt nun mal in der Macht des Kutschers. Hat er einen guten Tag, fragt er einen an Nikolaus, ob man etwas in seinen Schuhen hatte (wirklich passiert), hat er einen schlechten, darf man froh sein, überhaupt in seinem Gefährt zu sitzen (auch passiert).

32

Unter Schweine-Bingo konnte ich mir bis dato nichts vorstellen, also habe ich mir das mal im Biergarten der WG angeschaut. Die Bingoregeln sind so weit bekannt, aber wo kommt das Schwein ins Spiel? An diesem Abend nirgends, wie sich herausstellte, denn ich geriet just in eine vom AVV gesponserte Sonderveranstaltung und das Schweinekostüm, das üblicherweise zum Einsatz kommt, wurde durch eine Stewardessenuniform ersetzt. Das ist genau so sinnfrei wie alles andere an diesem Event.

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Eher dick oder dünn, knusprig oder weich, stark gesalzen oder nicht, ausgebacken in tierischem oder pflanzlichem Fett – für die 150 Kritiker, die bei der Frittenrallye anlässlich 25-Jahre-Slowfood fünf Frittenbuden im Dreiländereck bewerten mussten, gab es viel zu bedenken. Entschieden hat letztendlich der Geschmack. Und das Ergebnis war eindeutig. In jeweils drei Kategorien konnten sich …

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St. Elisabeth ist keine Kirche mehr, sondern gilt seit ihrer Entwidmung 2016 als „normaler Ort“. Ganz „normal“ hat sie sich dennoch nicht entwickelt. Nach dem spektakulären Projekt „Hotel Total“, das deutschlandweite Aufmerksamkeit erregte, wollte Investor Norbert Hermanns aus dem besonderen Ort wieder etwas ganz Besonderes machen. „Digital Church“ heißt das neue Kind und hat mit einer Church nur das Aussehen gemein. Oder vielleicht auch nicht, denn hier kann voll und ganz unserer neuen Religion gehuldigt werden: der Digitalisierung.

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Das Fahrrad wird 200 Jahre alt. So, so. Aber wirklich auch nur DAS Fahrrad. Denn bisher ist keines MEINER Fahrräder älter als drei Jahre geworden. Entweder wurde es geklaut oder verbogen. Ich sage immer, wenn es eine Wiedergeburt geben sollte, dann bitte nicht als Fahrrad. Wie ausgepeitscht hängen sie des Öfteren an Laternen; das Rücklicht …

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(Ich hatte 1 schweren Tag auf Arbeit gehabt, 4lacht von denen, die nicht wissen, was mein Beruf ist, ja, ach, ich mache halt was mit Kindern und hab dauernd nachmittags frei, da4 viel Kohle kassieren, Deinen Job will ich mal haben, geeignet 4 Frauen, damit sie nachmittags ihre eigenen Kinder hochziehen und chillen, backen und kochen können!!! Jesus, wie gemein ist die Gesellschaft?!)
Ich rase tumb und traurig zum Coiffeur, um meine Stimmung zu hypen, und sage zu der Frau, indem ich mein Basecap abnehme, ich wolle nicht mehr so aussehen wie 1 Antoniusstraßenwischmopp, schlimmer noch: wie 1 80-er-Jahre-Aerobictrainerin mit stumpfblonder Palme auf dem Kopf; bitte helfen Sie mir, sage ich, ich glaub, die Balayage ist schiefgegangen trotz Olaplex und Eslabondexxx (Flasche: je mind. 19 Euro) und trotz vielstündiger Gespräche, da muss man eben ehrlich sein.

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Die alten Hasen des Kulturfestival X

Für eine Band, die seit 1989 besteht, ist es sicherlich keine Ausnahme bei einer Konzertreihe oder einem Festival mehrfach gebucht zu werden. Auch im Fall des Kulturfestival X war es nicht die dümmste Entscheidung, die oberbayrische Independent-Combo zum wiederholten Mal einzuladen – wenn man die zweifache, nachdrückliche Zugaben-Forderung des Publikums entsprechend deutet …

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So war der Doppelpack-Abend des Kulturfestival X

Gemütlich, träge, irgendwie schwermütig – so lässt sich sowohl der Geisteszustand diverser Konzert-Besucher (tropische Hitze, hallo?) als auch die Musik von Okta Logue bezeichnen. Allerdings keineswegs mit negativen Vorzeichen, versteht sich – was eignet sich schließlich besser bei solchen Temperaturen als psychedelisches Rumgeschrammel?

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17. Juni, Tag der offenen Gesellschaft. In ganz Deutschland sollten Tafeln gedeckt werden, um die Demokratie mit Freunden und Fremden zu feiern und zu diskutieren – und wobei sollte das besser gehen als bei einer gemeinsamen Mahlzeit? Eine schöne Idee, dachte ich und begab mich auf die Suche. An zehn Orten wurde in Aachen zu …

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