„Gemeinwohl geht vor Eigenwohl.“ – So lautet die gesetzliche Grundlage, die es in den letzten 120 Jahren ermöglicht hat, Wohneigentum zu enteignen, Menschen umzusiedeln und Kulturdenkmäler einzureißen – für ein höheres Wohl, die Kohlegewinnung, die zur Energieerzeugung notwendig war. Doch die Zeiten haben sich geändert. Immer mehr Menschen sind überzeugt, dass es dem Gemeinwohl eher dient, auf die klimaschädliche Braunkohle zu verzichten. Nutznießer scheinen jetzt nur noch die großen Konzerne zu sein. Das wollen die Menschen in der Region nicht mehr hinnehmen. Unterstützung bekommen sie von Umweltaktivisten und der Presse, die dem Thema derzeit international Beachtung schenkt.

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Der erste Tagebau-Abschnitt, Garzweiler I, begann 1983, Garzweiler II im Jahr 2006. Laut Genehmigungen wird die letzte Braunkohle im Jahre 2045 gefördert werden, auch wenn hinter diesen Zeitplan nach den Protesten von Klimaschützern und Tagebaugegnern und vor allem durch die dramatische Veränderung der energiepolitischen Rahmenbedingungen in den letzten Jahrzehnten ein dickes Fragezeichen gemacht werden darf. Egal, wie lange der Tagebau noch fortbestehen wird – es wird weitere Jahrzehnte dauern, bis über die riesigen Baugruben im wahrsten Sinn des Wortes Gras gewachsen ist.

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Die preisgekrönte Doku porträtiert zwei Brüder in Borschemich, einem kleinen Dorf, das dem Tagebau Gartzweiler II weichen muss. Die beiden, die eine Gärtnerei betreiben, gehören zu den letzten Bewohnern, die noch in dem Ort leben.

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