Wie finden einen die Worte, wenn das Gefühl größer ist als jede Hülle aus aneinander gereihten Buchstaben? Wir verneigen uns in stiller Trauer vor einem großen Künstler, der 16 Jahre lang das Gesicht des Theater Aachen mit geprägt hat. Karsten Meyer starb letzten Samstag nach einer kurzen, schweren Krankheit und hinterlässt eine unermessliche Lücke bei …

1.4k

Edward Albees Psychogramm einer zerrütteten Ehe „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ gilt als die Mutter aller Zimmerschlachten. Anfang der 60er Jahre schockierte das gnadenlose Duell der Vermählten das prüde amerikanische Publikum.

92

„Wir brechen in dein Haus ein. Die Tür ist auf. Wir sind drin!“ – Vier Wissenschaftler befinden sich auf einer schaurigen Mission. Ihr Ziel: Den ersten Menschen erschaffen, der seine biologische Hülle transzendieren wird und die Grenzen von Mensch und Maschine überwindet. „Wenn wir es durchziehen, ist unsere Forschung auf Jahrhunderte finanziert“, erinnern sie sich …

126

Digitalisierung und Technologie sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Oftmals geht es bei diesen rasanten Veränderungen aber nicht darum, ob sie an sich positiv oder negativ sind. „Es sind immer die Menschen, die etwas daraus machen“, so Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. „Der Mensch führt durch Missbrauch von Macht Katastrophen herbei. Dabei sind Familienstrukturen immer Stellvertreter …

153

Wie realistisch sind Maschinen, die Emotionen wahrnehmen können? Oder die Transplantation eines menschlichen Gehirns? Auch wenn diese Gedanken zunächst noch weit hergeholt und absurd scheinen, so entwickeln sich Medizin und Technik rasant. „Wir befinden uns in einer Umbruchszeit“, so Oliver Held, Dramaturg am Theater Aachen. „Es besteht heutzutage eine Faszination, sich in Maschinenwesen zu verwandeln und sich zu optimieren.“

42

Der unterdrückte Mensch ist ein gefährliches Tier. Gegen Ende der zweiten Phase der französischen Revolution, die als Schreckensherrschaft in die Geschichtsbücher einging, konzentrierte sich die entfesselte Wut der Revolutionäre auf alle Andersdenkenden. Im Namen der Freiheit wurden Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes verübt. Betroffen waren nicht nur der Adel, auch die Geistlichkeit und kirchliche Gemeinschaften fielen dem …

82

Christopher Ward, 1980 in London geboren, präsentiert sich im Pressegespräch charmant und strahlt viel Selbstbewusstsein und eine Mischung aus Distinguiertheit und jugendlicher Unbekümmertheit aus. Durchaus Dinge, die man sich von einem frischgebackenen Generalmusikdirektor erwartet, wenn einem der Sinn nach frischem Wind aus dem Orchestergraben steht.

148

Auf den stürmischen Wogen der Aufklärung segelnd, schuf der junge Friedrich Schiller mit seinen Räubern ein poetisches und politisches Abbild seiner Zeit, das an Aktualität nichts eingebüßt hat. Der mal offene, mal hintergründige und verborgene Kampf der neuen Generation gegen das Althergebrachte prägt heute wie damals die gesellschaftliche Landschaft und ist entscheidend für die Geburt neuer Denkanstöße.
Termine im Theater Aachen: Im Theater zu sehen: 31. März, 07., 14., 18., 22., 26. April, 04., 27. Mai 2018

419

Für nichts gibtʼs nichts. Sogar die wahrhaftige Liebe, dieses hohe Gut, möchten wir auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten verscherbeln. Wobei verscherbeln etwas zu niedrig gegriffen ist, denn eigentlich wollen wir für unsere Liebe die höchstmögliche Rendite erzielen und die Person unserer Begierde mit Haut und Haaren besitzen.
Rainer Werner Fassbinder schuf mit „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ ein Werk der künstlerischen Künstlichkeit, das jedoch keineswegs leblos ist.

298

Oh, du Zeitlupeneffekt, du könntest so schön, so erhaben sein, würde man dich behutsam behandeln und nicht gewaltsam in Szenen pressen, in denen es nur darum geht, die Zeit zu überbrücken oder gar totzuschlagen.

Komik oder nicht Komik, das ist hier die Frage!

47

Eine Fassade ist per Definition die Front, oft die repräsentative Außenhaut eines Gebäudes. Bei Menschen vermuten wir beim Verwenden des Begriffes hinter dem äußeren Glanz gerne eine innere Dunkelheit, schwere Laster und sonstige Eigenschaften, die es zu verbergen gilt. Das kleine Dorf Unterleuten in der vergessenen Welt Brandenburgs steht wie eine strahlende Festung der neuen …

421

Elling und Kjell Bjarne werden nach mehrjährigem Zwangsurlaub in einer psychiatrischen Anstalt auf das Leben losgelassen. Mit ihrem Rucksack vollbepackt mit Ängsten, Neurosen und diversen Unzulänglichkeiten beziehen sie gemeinsam eine Wohnung, um in der Umarmung der Durchschnittsgesellschaft endlich Normalos zu werden. Doch das allgemein Übliche ist nicht so ganz ihr Ding.

240

Die Hamas ist für die meisten Terroranschläge verantwortlich. Die Selbstmordattentäter sind durchschnittlich 21 Jahre alt. Der erste Anschlag einer Selbstmordattentäterin, Wafa Idris, fand im Jahr 2002 in Jerusalem statt.

Unzählige Bücher über Täterpsychologie, empirische Untersuchungen und Klassifizierungen der Art und des Zweckes eines Selbstmordanschlags, auf die Kommastelle genaue Angaben über die durchschnittliche Opferzahl bei Anschlägen – wir wissen auch, wie viel Prozent der Attentäter weiblich, männlich, gebildet, geistig gesund, jung oder alt sind. Zahlen und Fakten, die bereits auf dem Weg zum Gehirn verblassen und nichts weiter als einen faden Beigeschmack hinterlassen.

203

Giuseppe Fortunino Francesco Verdi, zu seiner Zeit auch ohne den heutigen Starkult einer der funkelndsten Sterne am Musikhimmel, ließ sich in der Auswahl seiner literarischen Vorlagen nicht lumpen. „La Traviata“ entstand nach dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas dem Jüngeren, der damit in die außergewöhnliche Liga von Autoren wie Lord Byron, Victor Hugo, Friedrich Schiller, Shakespeare und Voltaire, allesamt Paten für Verdi-Opern, aufsteigen konnte.

51

Häuser sind etwas Besonderes, weil sie viele Leben verkörpern. Sie beherbergen kleine und große Geschichten, Freude, Glück und all die Schattenseiten des Daseins. Sie sind für etliche Geistesblitze verantwortlich, die Anzahl der Romane, in denen sie mehr oder weniger die Hauptrolle spielen, ist kaum zu überschauen. Die Grindelhochhäuser, zwischen 1946 und 1956 im Hamburger Grindelviertel erbaut, bescherten dem norwegischen Autor und Wahlhamburger Ingvar Ambjørnsen einen ebenso genialen wie lukrativen Einfall. In diesen Häusern, besser gesagt beim Anblick dieser Häuser, wurde Elling geboren.

Die Premiere ist am 26. Januar 2018.

102

Waldsterben, überall Waldsterben, wie kann man da noch behaupten, dass alles gut wird? Dominik Breuer und Gunnar Seidel vom Brachland-Ensemble stellen keine wirren Gutmensch-Behauptungen in den Raum, keine christlichen Hoffnungsschimmer in Aussicht, nein, sie suchten und fanden: das Gute, das in den vorabendlichen Bilderfluten der Gewalt keinen Platz findet. In ihrer Arbeit über „mediale Schwarzmalerei und angewandten Optimismus“ sagen sie unserer dystopischen Weltsicht den Kampf an, sie bringen uns an fremde Orte und zu Menschen, deren Engagement und Zivilcourage mit Recht nur eine Schlussfolgerung zulässt: Alles wird gut!

Spielzeit: Dezember 2017 bis Februar 2018

84

Katja Kabanowa steckt nicht nur im Gefängnis einer kalten Ehe, sie ist auch Gefangene spießbürgerlicher Moralvorstellungen, aus denen es summa summarum nur einen Ausweg gibt: den Tod. Leoš Janáček ließ sich nicht nur musikalisch von der tschechischen Folklore inspirieren, seine Themen sind tief in der Wertvorstellung dörflicher Gesinnung verwurzelt. Eine allzu menschliche Tragik, der Tonfall des Alltäglichen durchweben seine Werke. Umso schwieriger ist es, diese besondere Form der Dramatik ungeschmückt und wahrhaftig in Szene zu setzen.

Spielzeit: November 2017 bis Februar 2018

35

Zu einer Zeit, in der bereits die Erwähnung einer Reise ins beschauliche Transsilvanien als das Non plus ultra des Schaurigen galt, harmlose Fledermäuse in mystische Tiefen des Bösen verfrachtet wurden und die Wälder noch von (Wer-)Wölfen bevölkert waren, zu dieser Zeit entstand der Erzählzyklus „Nachtstücke“ von E. T. A. Hoffmann. Doch bei Hoffmann ging es um weit mehr, als kindliches Gruseln. Für ihn war die Psyche eine Art Kuriositätensammlung, unheimlich und faszinierend zugleich, die er mit all ihren Leiden fassen und begreifen wollte.

Spielzeit: Dezember 2017

164

Falafel trifft auf Kartoffel. Keine Verschmelzung der Aromen, kein harmonisches Miteinander; Karambolage wäre treffender, denn es mangelt nicht an Scherben.
Die geflüchteten Jugendlichen Youssef Abojobbah, Abdullah Alhamad, Mustafa Alzuabidi, Mohammed Baker, Ahmad Ghorbani, Zanyar Hannan, und die Schauspieler Katharina Waldau, Ramon Linde und Karl Walter Sprungala bestechen durch ihr differenziertes und natürliches Spiel, man fühlt sich wie ein Voyeur, durch den schmalen Spalt der nicht ganz zugezogenen Vorhänge in ein fremdes Wohnzimmer lugend.
Zu sehen ist das Stück am 04. und 19.11. im Mörgens Theater.

131

20.000 Kostüme schlummern im Fundus des Theater Aachen in Räumen einer alten Fabrik auf dem Gelände des mörgens und warten darauf, wieder zum Einsatz zu kommen. Weiße Blusen und klassische Anzüge haben es da leichter, als ein Kleid, das der Königin der Nacht für eine Produktion auf den Leib geschneidert wurde. Und weil jede Produktion …

208

Fortuna und Virtu können herzlich wenig gegen die Macht Amors unternehmen; mag diese noch so grausam und unmoralisch erscheinen, noch so körperlich und oberflächlich, der Sieg ist ihr sicher. Der lustvoll gewissenlose Nero begehrt die schönste Frau Roms, die holde Poppea, die ihrem grausamen Liebhaber in nichts nachsteht. Natürlich, sie begehrt ihn, genauso wie er …

278

Stadtarchiv Aachen präsentiert Archivalie des Monats Oktober

Als 1970 im Theater Aachen die Uraufführung „Aussatz“ von Bölls gezeigt wird, berichten 50 Theaterkritiker über die Generalprobe und Aufführung in Aachen. Hauptperson des Stücks ist der katholische Priester Bonifatius Christ, der sich selbst tötet, weil er von kirchlichen Instanzen zu Unrecht verdächtigt wird, ein Verhältnis zu einer jungen Frau zu haben.

43

„There’s nothing I can do in my life to compensate for the fact that the world would be better without me in it,” sagte Autor Duncan Macmillan in einem Interview mit dem Guardian. Eine düstere Ansicht – betrachtet man jedoch die Menschheitsgeschichte – voll poetischer Schlichtheit. Macmillan ist aber kein Dystopie-Prediger, kein Schwarzmaler, vielmehr ein feiner Beobachter und fanatischer Rechercheur. Seine Aussagen basieren auf klimawissenschaftlichen Erkenntnissen, auf fundierter Nachforschung und Sondierung.
Im Mörgens ist im Herbst 2017 seine Komödie „Atmen“ zu sehen.

161

Nach dem ich eine gefühlte Ewigkeit das weiße Blatt auf meinem virtuellen Schreibtisch gedankenverloren angestarrt und die Spiegelung der Außenwelt sowie das Blinken des Eingabezeigers eingehend analysiert habe, sollte ich doch langsam mit der Rezension beginnen. Die Schwierigkeit ist, dieser Text darf, kann keine ordentliche Rezension werden, denn was sollten die Zuschauer erfahren, sei es auch nur einen kleinen Hinweis oder eine Warnung, wenn nicht einmal der vortragende Schauspieler weiß, was auf ihn zukommt. Wiederaufnahme: ab 01. Oktober 2017

103

Zur kommenden Spielzeit werden vier Neuzugänge das Ensemble des Theater Aachen bereichern. Wir durften vor den Theaterferien mit Alexander Wanat (25) einen hochmotivierten und nicht minder talentierten Nachwuchsschauspieler vorab kennenlernen. Zum Auftakt wird er ab dem 29. September als der junge Werther in der Kammer zu sehen sein.

414

Michel Houellebecq, einer der umstrittensten Autoren der Gegenwart, ist bühnentauglich geworden. Mehr noch, der provocateur par excellence – er sieht sich selbst als Bettler der Liebe – wird von Bühne zu Bühne gereicht, verstört und wühlt auf, als wäre er der Laplace’sche Dämon, ein kleiner unruhiger Geist, der in Kenntnis unserer Vergangenheit in der Lage ist, die Zukunft zu determinieren. Eine unschöne, von radikal islamischen Werten geprägte Zukunft, in der die Freiheit des Geistes nur noch als vage Erinnerung in den Köpfen der Angepassten lebt.
Wiederaufnahme im September für die Spielzeit 2017/18 im Theater Aachen

60

Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1938. New York erzittert unter der Angst vor einer außerirdischen Invasion. Natürlich hat die Presse wieder mal übertrieben, es gab weder Selbstmorde noch Massenpanik, der einzige bleibende Effekt der Erstausstrahlung von „Der Krieg der Welten“ war, dass Orson Welles weltberühmt wurde.
Heute sind wir abgebrüht, abgestumpft, haben zu viel gesehen und gehört, um noch an irdisches Leben zu glauben, geschweige denn an außerirdisches. Doch plötzlich mehren sich die Gerüchte um bizarre Tollwutfälle, hinter vorgehaltener Hand munkelt man von Zombies, das Klinikum Aachen verweigert jede Auskunft. Nur bei Radio Paranoia spricht man offen über die beunruhigenden Ereignisse im schönen Dreiländereck.

56

Eine Frage ist ein Wortgefüge mit einer Leerstelle, die darauf wartet, mit einer Antwort ausgefüllt zu werden. Wie weit eine Frage brisant, peinlich, intim oder belanglos ist, bestimmen die Wörter, die diese leere Stelle mit Leben und Bedeutung füllen.
Quizoola! ist im Juni und Juli 2017 in der Kammer des Theaters Aachen zu sehen.

147

Der 1903 geschriebene „Kirschgarten“ ist das letzte der großen Dramen von Anton Tschechow, deren eminente Bedeutung für die Theatergeschichte mit den Dramen Shakespeares vergleichbar ist. Wie immer bei Tschechow sind die Protagonisten wie gelähmt vom damals en voguen Ennui – der melancholisch gefärbten Langeweile der Reichen und Schönen.

82

Sie wollen Holly Golightly kennenlernen? Dann gehen Sie nicht in den Film mit Audrey Hepburn. Truman Capote hat ihn gehasst und vor allem wollte er als Leading Lady nicht die Hepburn, sondern die Monroe. Diese Maßnahme hätte nicht nur den vom Autor gewünschten Hormoncocktail aus Champagner, Amphetamin und einem Hauch naturbeschwipster Nymphomanie ins Spiel gebracht, sondern auch die Tragik seiner Figur, „die kurz in der Zeitung stehen wird, wenn sie am Grunde eines Röhrchens Veronal ihr Ende gefunden hat“.

49