Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

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Der Reservist – Arbeiten im 21. Jahrhundert

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Elling

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Dass eine leichte, herzerfrischende Komödie auch ohne (allzu viel) Klamauk gelingen kann, beweist Regisseur Stefen Herrmann mit Nicole Armbrusters Geschichte „Zur Hölle mit den anderen“, die im September 2018 Premiere gefeiert hat. Es sollte eine ausgelassene Wiedersehensfeier von Katrin und Sandra werden – während des Studiums unzertrennlich, doch durch die windigen Gassen des Lebens getrennt –, die mit Kind und Mann, Wasserpistole und Milchpumpe eine neue Ära der vergessenen Freundschaft einläuten wollen. Wenn das Leben nur so einfach wäre!

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Tick-tack, tick-tack, tick-tack. Kein aufdringliches Geräusch, nur so laut, dass man es immer und immer hört, das Verrinnen der Zeit oder die hartnäckige Präsenz des neuen Begleiters namens Wahnsinn. Gegenüber der leise vor sich hintickenden Uhr eine vergilbte Fotografie zweier Brüder, darunter ein alter Teppich mit zwei identischen Sesseln, in denen zwei identisch angezogene junge Männer sitzen.

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Die ewige Geschichte der unerfüllten, der tragischen Liebe, ein Motiv, das sich durch Jahrhunderte und hunderte von literarischen wie musikalischen Werken durchschlängelt. In diesem Fall sind es Leonora de Vargas, eine junge Adelige, und Don Alvaro, ein Mestize von höherer Herkunft, die sich nicht finden dürfen.

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Schauspiel nach der Bühnenfassung von Florian Battermann in einer Bearbeitung von René Heinersdorff, basierend auf dem gleichnamigen Film. Ab dem 13. September 2018 im Das Da Theater.

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Sandra und Katrin, einst beste Freundinnen, treffen sich nach langer Zeit mit ihren Männern im Schlepptau, um sich auf den neuesten Stand zu bringen und die verflossenen Jahre bei einem gemütlichen Beisammensein zu begießen. Doch nicht nur die Jahre sind verflossen, auch die Gemeinsamkeiten sind Geschichte. Schnell heißt es da: Zur Hölle mit den anderen!

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Wie finden einen die Worte, wenn das Gefühl größer ist als jede Hülle aus aneinander gereihten Buchstaben? Wir verneigen uns in stiller Trauer vor einem großen Künstler, der 16 Jahre lang das Gesicht des Theater Aachen mit geprägt hat. Karsten Meyer starb letzten Samstag nach einer kurzen, schweren Krankheit und hinterlässt eine unermessliche Lücke bei …

1.5k

Edward Albees Psychogramm einer zerrütteten Ehe „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ gilt als die Mutter aller Zimmerschlachten. Anfang der 60er Jahre schockierte das gnadenlose Duell der Vermählten das prüde amerikanische Publikum.

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Dem Genie Cervantes’ verdanken wir das wunderbare Bild des Kampfes gegen Windmühlen: der einsame Ritter, wahlweise eine ganze Armee von einsamen, verzweifelten Rittern, im Kampf gegen das Unbesiegbare. Hier und heute: die industrielle Reservearmee der marxistischen Wirtschaftstheorie, also die Beschäftigungslosen und Erwerbssuchenden, gegen das vertrackte (kapitalistische) System. Ein ebenso unlösbares Problem, wie das von Alonso …

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Der unterdrückte Mensch ist ein gefährliches Tier. Gegen Ende der zweiten Phase der französischen Revolution, die als Schreckensherrschaft in die Geschichtsbücher einging, konzentrierte sich die entfesselte Wut der Revolutionäre auf alle Andersdenkenden. Im Namen der Freiheit wurden Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes verübt. Betroffen waren nicht nur der Adel, auch die Geistlichkeit und kirchliche Gemeinschaften fielen dem …

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Auf den stürmischen Wogen der Aufklärung segelnd, schuf der junge Friedrich Schiller mit seinen Räubern ein poetisches und politisches Abbild seiner Zeit, das an Aktualität nichts eingebüßt hat. Der mal offene, mal hintergründige und verborgene Kampf der neuen Generation gegen das Althergebrachte prägt heute wie damals die gesellschaftliche Landschaft und ist entscheidend für die Geburt neuer Denkanstöße.
Termine im Theater Aachen: Im Theater zu sehen: 31. März, 07., 14., 18., 22., 26. April, 04., 27. Mai 2018

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Für nichts gibtʼs nichts. Sogar die wahrhaftige Liebe, dieses hohe Gut, möchten wir auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten verscherbeln. Wobei verscherbeln etwas zu niedrig gegriffen ist, denn eigentlich wollen wir für unsere Liebe die höchstmögliche Rendite erzielen und die Person unserer Begierde mit Haut und Haaren besitzen.
Rainer Werner Fassbinder schuf mit „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ ein Werk der künstlerischen Künstlichkeit, das jedoch keineswegs leblos ist.

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Oh, du Zeitlupeneffekt, du könntest so schön, so erhaben sein, würde man dich behutsam behandeln und nicht gewaltsam in Szenen pressen, in denen es nur darum geht, die Zeit zu überbrücken oder gar totzuschlagen.

Komik oder nicht Komik, das ist hier die Frage!

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Eine Fassade ist per Definition die Front, oft die repräsentative Außenhaut eines Gebäudes. Bei Menschen vermuten wir beim Verwenden des Begriffes hinter dem äußeren Glanz gerne eine innere Dunkelheit, schwere Laster und sonstige Eigenschaften, die es zu verbergen gilt. Das kleine Dorf Unterleuten in der vergessenen Welt Brandenburgs steht wie eine strahlende Festung der neuen …

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Elling und Kjell Bjarne werden nach mehrjährigem Zwangsurlaub in einer psychiatrischen Anstalt auf das Leben losgelassen. Mit ihrem Rucksack vollbepackt mit Ängsten, Neurosen und diversen Unzulänglichkeiten beziehen sie gemeinsam eine Wohnung, um in der Umarmung der Durchschnittsgesellschaft endlich Normalos zu werden. Doch das allgemein Übliche ist nicht so ganz ihr Ding.

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Die Hamas ist für die meisten Terroranschläge verantwortlich. Die Selbstmordattentäter sind durchschnittlich 21 Jahre alt. Der erste Anschlag einer Selbstmordattentäterin, Wafa Idris, fand im Jahr 2002 in Jerusalem statt.

Unzählige Bücher über Täterpsychologie, empirische Untersuchungen und Klassifizierungen der Art und des Zweckes eines Selbstmordanschlags, auf die Kommastelle genaue Angaben über die durchschnittliche Opferzahl bei Anschlägen – wir wissen auch, wie viel Prozent der Attentäter weiblich, männlich, gebildet, geistig gesund, jung oder alt sind. Zahlen und Fakten, die bereits auf dem Weg zum Gehirn verblassen und nichts weiter als einen faden Beigeschmack hinterlassen.

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Giuseppe Fortunino Francesco Verdi, zu seiner Zeit auch ohne den heutigen Starkult einer der funkelndsten Sterne am Musikhimmel, ließ sich in der Auswahl seiner literarischen Vorlagen nicht lumpen. „La Traviata“ entstand nach dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas dem Jüngeren, der damit in die außergewöhnliche Liga von Autoren wie Lord Byron, Victor Hugo, Friedrich Schiller, Shakespeare und Voltaire, allesamt Paten für Verdi-Opern, aufsteigen konnte.

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Häuser sind etwas Besonderes, weil sie viele Leben verkörpern. Sie beherbergen kleine und große Geschichten, Freude, Glück und all die Schattenseiten des Daseins. Sie sind für etliche Geistesblitze verantwortlich, die Anzahl der Romane, in denen sie mehr oder weniger die Hauptrolle spielen, ist kaum zu überschauen. Die Grindelhochhäuser, zwischen 1946 und 1956 im Hamburger Grindelviertel erbaut, bescherten dem norwegischen Autor und Wahlhamburger Ingvar Ambjørnsen einen ebenso genialen wie lukrativen Einfall. In diesen Häusern, besser gesagt beim Anblick dieser Häuser, wurde Elling geboren.

Die Premiere ist am 26. Januar 2018.

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Waldsterben, überall Waldsterben, wie kann man da noch behaupten, dass alles gut wird? Dominik Breuer und Gunnar Seidel vom Brachland-Ensemble stellen keine wirren Gutmensch-Behauptungen in den Raum, keine christlichen Hoffnungsschimmer in Aussicht, nein, sie suchten und fanden: das Gute, das in den vorabendlichen Bilderfluten der Gewalt keinen Platz findet. In ihrer Arbeit über „mediale Schwarzmalerei und angewandten Optimismus“ sagen sie unserer dystopischen Weltsicht den Kampf an, sie bringen uns an fremde Orte und zu Menschen, deren Engagement und Zivilcourage mit Recht nur eine Schlussfolgerung zulässt: Alles wird gut!

Spielzeit: Dezember 2017 bis Februar 2018

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Was ist schon Zeit? Die Ewigkeit kann in einer Sekunde vorbei sein und Sekunden können die Ewigkeit bedeuten. Oskar hat nicht mehr viel Zeit, der krebskranke zehnjährige Junge weiß um seinen bevorstehenden Tod. Doch auch der allmächtigen Zeit kann man ein Schnippchen schlagen, und so erlebt Oskar in den letzten zehn Tagen seines Lebens mit Hilfe der geheimnisvollen Dame in Rosa ein ganzes Menschendasein voller Höhen und Tiefen, Glücksmomenten und Verzweiflung, Wut und Vergebung.

Ausverkauft, noch Restkarten für den 06.12. erhältlich

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Katja Kabanowa steckt nicht nur im Gefängnis einer kalten Ehe, sie ist auch Gefangene spießbürgerlicher Moralvorstellungen, aus denen es summa summarum nur einen Ausweg gibt: den Tod. Leoš Janáček ließ sich nicht nur musikalisch von der tschechischen Folklore inspirieren, seine Themen sind tief in der Wertvorstellung dörflicher Gesinnung verwurzelt. Eine allzu menschliche Tragik, der Tonfall des Alltäglichen durchweben seine Werke. Umso schwieriger ist es, diese besondere Form der Dramatik ungeschmückt und wahrhaftig in Szene zu setzen.

Spielzeit: November 2017 bis Februar 2018

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Zu einer Zeit, in der bereits die Erwähnung einer Reise ins beschauliche Transsilvanien als das Non plus ultra des Schaurigen galt, harmlose Fledermäuse in mystische Tiefen des Bösen verfrachtet wurden und die Wälder noch von (Wer-)Wölfen bevölkert waren, zu dieser Zeit entstand der Erzählzyklus „Nachtstücke“ von E. T. A. Hoffmann. Doch bei Hoffmann ging es um weit mehr, als kindliches Gruseln. Für ihn war die Psyche eine Art Kuriositätensammlung, unheimlich und faszinierend zugleich, die er mit all ihren Leiden fassen und begreifen wollte.

Spielzeit: Dezember 2017

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Falafel trifft auf Kartoffel. Keine Verschmelzung der Aromen, kein harmonisches Miteinander; Karambolage wäre treffender, denn es mangelt nicht an Scherben.
Die geflüchteten Jugendlichen Youssef Abojobbah, Abdullah Alhamad, Mustafa Alzuabidi, Mohammed Baker, Ahmad Ghorbani, Zanyar Hannan, und die Schauspieler Katharina Waldau, Ramon Linde und Karl Walter Sprungala bestechen durch ihr differenziertes und natürliches Spiel, man fühlt sich wie ein Voyeur, durch den schmalen Spalt der nicht ganz zugezogenen Vorhänge in ein fremdes Wohnzimmer lugend.
Zu sehen ist das Stück am 04. und 19.11. im Mörgens Theater.

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Fortuna und Virtu können herzlich wenig gegen die Macht Amors unternehmen; mag diese noch so grausam und unmoralisch erscheinen, noch so körperlich und oberflächlich, der Sieg ist ihr sicher. Der lustvoll gewissenlose Nero begehrt die schönste Frau Roms, die holde Poppea, die ihrem grausamen Liebhaber in nichts nachsteht. Natürlich, sie begehrt ihn, genauso wie er …

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Vincent ertrinkt. Nicht in seinem geliebten Meer, er ertrinkt in der grausamen Gleichgültigkeit seines Vaters, in dem Strudel der Medikamente gegen sein Tourette-Syndrom, er ertrinkt in der Trauer um seine tote Mutter. Aber vor allem ertrinkt er in seiner inneren Einsamkeit. Einer Einsamkeit, die er mit Marie und Alex teilt, zwei Patienten der psychiatrischen Klinik, in die ihn sein Vater, ein aufstrebender Politiker, gewissenlos abschiebt.
Zu sehen bis zum 15. Oktober 2017 im DAS DA Theater.

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„There’s nothing I can do in my life to compensate for the fact that the world would be better without me in it,” sagte Autor Duncan Macmillan in einem Interview mit dem Guardian. Eine düstere Ansicht – betrachtet man jedoch die Menschheitsgeschichte – voll poetischer Schlichtheit. Macmillan ist aber kein Dystopie-Prediger, kein Schwarzmaler, vielmehr ein feiner Beobachter und fanatischer Rechercheur. Seine Aussagen basieren auf klimawissenschaftlichen Erkenntnissen, auf fundierter Nachforschung und Sondierung.
Im Mörgens ist im Herbst 2017 seine Komödie „Atmen“ zu sehen.

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Nach dem ich eine gefühlte Ewigkeit das weiße Blatt auf meinem virtuellen Schreibtisch gedankenverloren angestarrt und die Spiegelung der Außenwelt sowie das Blinken des Eingabezeigers eingehend analysiert habe, sollte ich doch langsam mit der Rezension beginnen. Die Schwierigkeit ist, dieser Text darf, kann keine ordentliche Rezension werden, denn was sollten die Zuschauer erfahren, sei es auch nur einen kleinen Hinweis oder eine Warnung, wenn nicht einmal der vortragende Schauspieler weiß, was auf ihn zukommt. Wiederaufnahme: ab 01. Oktober 2017

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Michel Houellebecq, einer der umstrittensten Autoren der Gegenwart, ist bühnentauglich geworden. Mehr noch, der provocateur par excellence – er sieht sich selbst als Bettler der Liebe – wird von Bühne zu Bühne gereicht, verstört und wühlt auf, als wäre er der Laplace’sche Dämon, ein kleiner unruhiger Geist, der in Kenntnis unserer Vergangenheit in der Lage ist, die Zukunft zu determinieren. Eine unschöne, von radikal islamischen Werten geprägte Zukunft, in der die Freiheit des Geistes nur noch als vage Erinnerung in den Köpfen der Angepassten lebt.
Wiederaufnahme im September für die Spielzeit 2017/18 im Theater Aachen

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Michael Shermer, amerikanischer Wissenschaftshistoriker und Gründer der Skeptics Society, glaubt an die Selbsttäuschung als eine fest im Gehirn verwurzelte Überlebensfertigkeit. Die Wahrheit klingt aber auch oft wie ein schlechter Scherz. So ist es allzu menschlich, geradezu evolutionär bestimmt, eine Gewissheit, die man schwerlich akzeptieren kann, als Schabernack abzuspeichern, sich zu beruhigen und gleichzeitig eine ordentliche Dosis Dopamin freizusetzen. Tschakka!
Wiederaufnahme im September 2017!

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Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1938. New York erzittert unter der Angst vor einer außerirdischen Invasion. Natürlich hat die Presse wieder mal übertrieben, es gab weder Selbstmorde noch Massenpanik, der einzige bleibende Effekt der Erstausstrahlung von „Der Krieg der Welten“ war, dass Orson Welles weltberühmt wurde.
Heute sind wir abgebrüht, abgestumpft, haben zu viel gesehen und gehört, um noch an irdisches Leben zu glauben, geschweige denn an außerirdisches. Doch plötzlich mehren sich die Gerüchte um bizarre Tollwutfälle, hinter vorgehaltener Hand munkelt man von Zombies, das Klinikum Aachen verweigert jede Auskunft. Nur bei Radio Paranoia spricht man offen über die beunruhigenden Ereignisse im schönen Dreiländereck.

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Eine Frage ist ein Wortgefüge mit einer Leerstelle, die darauf wartet, mit einer Antwort ausgefüllt zu werden. Wie weit eine Frage brisant, peinlich, intim oder belanglos ist, bestimmen die Wörter, die diese leere Stelle mit Leben und Bedeutung füllen.
Quizoola! ist im Juni und Juli 2017 in der Kammer des Theaters Aachen zu sehen.

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